Montgomery: Zu viel Wettbewerb im Gesundheitswesen ist unethisch

Berlin, 23.05.2013

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, hat in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ (23.05.2013) die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens kritisiert. „Wenn es um die Versorgung von Patienten geht, macht zu viel Wettbewerb bei Kassen und Krankenhäusern keinen Sinn. Er ist sogar unethisch“, sagte Montgomery.

Zudem bekräftigte Montgomery seine Kritik an mengenorientierten Bonusvergütungen in Chefarztverträgen und verwies auf die mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft gefassten Empfehlungen nach Paragraf 136a SGB V. „An diese Empfehlungen sollten sich Ärzte und Kliniken halten, wenn sie Zielvereinbarungen mit ihren Chefärzten verhandeln“, sagte Montgomery. Man habe das entscheidende Wörtchen durchgesetzt: „Mit leitenden Ärzten ,dürfen´ keine ausschließlich auf Mengen gründenden Zahlungen vereinbart werden. Das war nicht leicht, und das geht klar gegen Boni." Der BÄK-Präsident forderte die Politik auf, die Krankenhausfinanzierung grundlegend zu ändern. "Da darf nicht mehr die schnelle Massenabfertigung belohnt werden, sondern es müsste eine Mischung aus festen Budgets und Fallpauschalen für Krankenhäuser geben, die regional ausgehandelt werden.“  Auch brauche man mehr Ärzte und Pflegepersonal, sonst könne das Niveau nicht gehalten werden.

Zur Zukunft des deutschen Krankenversicherungssystems hob Montgomery den hohen Stellenwert der privaten Krankenversicherung (PKV) hervor. Die PKV sei schneller als andere bereit, auch innovative Therapien zu bezahlen. Damit würden sie den schwerfälligen gesetzlichen Krankenkassen Druck machen: „An dieser Stelle nützt der Wettbewerb. Die Versorgung für alle Patienten wäre ohne PKV schlechter“, betonte Montgomery. Plänen für eine Bürgerversicherung erteilte er hingegen eine Absage: Die Bürgerversicherung sei der  Turbolader für die Zweiklassenmedizin. "In einem Land mit freier Marktwirtschaft wird es immer bessere und hübschere medizinische Angebote geben. Die können sich dann aber wirklich nur noch die Reichen leisten", warnte der BÄK-Präsident.