Pressemitteilung der Bundesärztekammer

Ärztetag fordert: „Priorisierung enttabuisieren“

Düsseldorf, 30.05.2014

Der Deutsche Ärztetag hat eine breite gesellschaftliche Debatte über Priorisierung in der Medizin gefordert. „Der technische Fortschritt in der Medizin ist mit großen Schritten vorangegangen. Das deutsche Gesundheitswesen nimmt dadurch einen Spitzenplatz in der Versorgung von Patientinnen und Patienten ein“, sagte Prof. Jan Schulze, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“, in einem Referat vor dem Ärzteparlament. Die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt führten angesichts begrenzter Ressourcen zu großen Herausforderungen, die medizinische Versorgung auf dem heutigen Niveau aufrechtzuerhalten.

Die Politik werde  sich deshalb dem Thema Priorisierung nicht verschließen können, betonte Schulze, der dem Deutschen Ärztetag einen Zwischenbericht der Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“ gab. Der Vorstand der Bundesärztekammer hatte im Frühjahr 2012 die Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“ eingesetzt. Er folgt damit einer Bitte des Deutschen Ärztetages. Das Thema Priorisierung soll aus Sicht der Ärzteschaft weiterentwickelt werden, um den gesellschaftlichen Diskurs voranzutreiben.

Die Bundesärztekammer hatte bereits 2009 eine Debatte darüber angestoßen, wie trotz begrenzter Ressourcen eine gerechte Versorgung gestaltet werden kann. Dabei hatte die BÄK klargestellt, dass  Priorisierung nur auf der Basis ärztlicher, ethischer, medizinisch- wissenschaftlicher und sozialer Kriterien erfolgen kann und Ergebnisse der Versorgungsforschung berücksichtigt werden müssen. Die Priorisierungsentscheidungen müssten transparent und öffentlich nachvollziehbar getroffen werden.

Die Delegierten des diesjährigen Deutschen Ärztetages sprachen sich mit großer Mehrheit dafür aus, dass sich die Ärzteschaft weiter dem Thema Priorisierung widmet. Dies deckt sich mit den Wünschen der Allgemeinbevölkerung. So wies Schulze vor den Ärztetagsdelegierten darauf hin, dass sich die Bevölkerung  nach Befragungen eine aktive Rolle von Ärztinnen und Ärzten bei Entscheidungen über GKV-Leistungen wünscht (84 Prozent).

Der Ärztetag in Düsseldorf  forderte den Gesetzgeber auf, im Sozialgesetzbuch V eine nach wissenschaftlich fundierten und ärztlich befürworteten Qualitätskriterien festgestellte Vor-und Nachrangigkeit in der medizinischen Versorgung festzuschreiben. Dadurch werde die Möglichkeit geschaffen, Priorisierungskonzepte zu entwickeln. „Nur auf diesem Weg kann es gelingen, die Priorisierung zu enttabuisieren“, heißt es in der Entschließung des Ärztetages.

Der 117. Deutsche Ärztetag tagt vom 27. bis 30. Mai 2014 in Düsseldorf. Weitere Informationen finden Sie unter www.baek.de. Folgen Sie der Bundesärztekammer auch auf Twitter (https://twitter.com/BAEKaktuell) und halten Sie sich über die Diskussionen des Ärztetages auf dem Laufenden.