13. Neue Armut

Auf Antrag von Prof.Dr. Mausbach (Drucksache I-12) faßt der 101. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Gesundheit, Krankheit und neue Armut

In der Sorge, daß durch die Zunahme einer in den letzten Jahren neu entstandenen Armut Krankheitsverteilung und Krankheitsspektrum in ungünstigerem Sinne beeinflußt werden könnten, rufen wir als Ärztinnen und Ärzte alle Verantwortlichen für politische Entscheidungen dazu auf, dazu beizutragen, daß die Kluft zwischen arm und reich nicht noch größer wird, vielmehr verringert wird. Sozial Schwache, Kranke und Behinderte brauchen den besonderen Schutz der Gesellschaft. Die Solidargemeinschaft muß gewährleisten, daß die ärztliche Versorgung der sozial Benachteiligten auch unter sozialen Krisenerscheinungen erhalten bleibt.

Begründung:

Eine neue Armut ist entstanden, darunter mehr als 5 Millionen Sozialhilfeempfänger, ein breiter Armutsgürtel, der sich in den alten und neuen Bundesländern durch das Land zieht. Die Kluft zwischen arm und reich vergrößert sich. Über den Zusammenhang von Krankheit und sozialer Lage gibt es gesicherte Erkenntnisse. Sehr viele Erkrankungen mit hohen Fallzahlen folgen Polarisierung von arm und reich. Die betroffenen Menschen müssen durch Maßnahmen gegen die Armut geschützt werden. Einschnitte in das bewährte System der Krankenversicherung und ausufernde Selbstbeteiligung lassen Elemente einer Klassenmedizin wieder aufleben. Eine humane Gesundheits- und Sozialpolitik muß gerade in Zeiten zunehmender Armut das Solidarprinzip befestigen.