1. Leitsätze zur Qualitätssicherung

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache II-1) unter Berücksichtigung des Antrages von Dr. Windhorst (Drucksache II-1a) faßt der 101. Deutsche Ärztetag einstimmig folgende Entschließung:

Der 101. Deutsche Ärztetag bekräftigt Zielsetzung und Zweck der Qualitätssicherung ärztlicher Berufsausübung, um diagnostische und therapeutische Prozesse sowie deren Ergebnisse zu optimieren und eine gute Patientenversorgung zu sichern und sie dem wissenschaftlich-medizinischen Fortschritt anzupassen.

Der Deutsche Ärztetag betont, daß die Strukturqualität darauf abzielen muß,nach dem jeweiligen Stand von Wissenschaft und Technik sowohl für die Qualifikation von Ärzten und Fachpersonal als auch für die Ausstattung der Arbeitsstätte Rahmenbedingungen zu beschreiben.

Der Deutsche Ärztetag unterstützt eine Qualitätssicherung ärztlicher Berufsausübung, die Einfluß auf die Abläufe in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens nimmt und einzelne diagnostische und therapeutische Schritte optimiert und damit die Versorgung verbessert (Prozeßqualität).

Der Deutsche Ärztetag fordert konsequente Evaluierung der Ergebnisse diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen durch Ärzte anhand von Vergleichen und sowie definierter Maßstäbe (Ergebnisqualität).

Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität stehen in einem engen wechselseitigen Beziehungsgeflecht und beeinflussen sich gegenseitig.

Internes Qualitätsmanagement ist ein Bündel von Maßnahmen und Verfahren zur patientenorientierten effektiven Gestaltung der "Wertschöpfungskette" im Krankenhaus. Externe Vergleichsverfahren dienen hingegen dazu, das interne Qualitätsmanagement zu unterstützen. Sie suchen punktuelle Ansätze für Verbesserungsmöglichkeiten auf dem Vergleichswege.

Der Deutsche Ärztetag betont und bekräftigt die Gültigkeit der bereits 1993 beschlossenen Leitsätze für die Qualitätssicherung ärztlicher Berufsausübung:

  1. Qualitätssicherung ist seit jeher eine der ärztlichen Berufsausübung immanente gemeinschaftliche Aufgabe der Ärzteschaft
  2. Qualitätssicherung umfaßt alle Bereiche ärztlicher Berufsausübung und muß im Sinne eines Qualitätssicherungsmanagements in gleicher Weise in allen Versorgungsbereichen durchgeführt werden
  3. Qualitätssicherung dient ausschließlich der Sicherung und Verbesserung der Patientenversorgung und daher kein Selbstzweck
  4. Qualitätssicherung bedient sich problemadäquater Methoden
  5. Qualitätssicherung bedarf bei uneingeschränkter Wahrung des Patientengeheimnisses des Vertrauensschutzes. Dabei gilt der Grundsatz: Selbstkontrolle vor Fremdkontrolle
  6. Qualitätssicherung setzt valide Daten und enge Kooperation aller Beteiligten voraus
  7. Qualitätssicherung ist nicht vorrangig Forschung, sondern ein zielorientierter, innovativer fortdauernder und interdisziplinärer Prozeß in allen medizinischen Versorgungsbereichen. Sie bedient sich wissenschaftlicher Methoden zur Entwicklung und Evaluation geeigneter Maßnahmen zur Anwendung in Praxis und Klinik
  8. Qualitätssicherung darf nicht mit Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen verwechselt werden, auch wenn mit den Methoden der Qualitätssicherung eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit erreicht werden kann
  9. Qualitätssicherung bedarf angemessener personeller und organisatorischer Strukturen. Diese sind mit Kosten verbunden
  10. Für den finanziellen Mehraufwand der den Teilnehmern an Qualitätssicherungsmaßnahmen entsteht, sind zusätzliche notwendige Finanzierungsmittel bereitzustellen. Dies ist durch die Erhöhung der betreffenden Budgets durch den Gesetzgeber zu regeln.

Diese bereits vom 96. Deutschen Ärztetag 1993 beschlossenen Leitsätze umfassen das Gebiet der Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung. Sie dienen der Transparenz und der Verdeutlichung des ärztlichen Standpunktes, limitieren aber auch die Verantwortlichkeiten.