18. Beschäftigungsoffensive für Ärztinnen und Ärzte

Auf Antrag von Dr. Montgomery (Drucksache VI-10) faßt der 101. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 101. Deutsche Ärztetag ruft alle Beteiligten im Gesundheitswesen zu einer Beschäftigungsoffensive für Ärztinnen und Ärzte auf.

Die Arbeitslosigkeit unter Ärztinnen und Ärzten ist allein im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent gestiegen. Offiziell sind derzeit 10.000 Ärztinnen und Ärzte arbeitslos. Die Dunkelziffer liegt zusätzlich bei bis zu 5.000 beschäftigungslosen Ärztinnen und Ärzten.

Betroffen von Stellenabbau und Arbeitslosigkeit sind insbesondere Berufsanfänger und Ärztinnen, zunehmend auch Fachärzte. Diese Entwicklung hat nicht nur dramatische Auswirkungen auf die Zukunft des ärztlichen Nachwuchses. Personelle und innovative Auszehrung bedroht unser Gesundheitssystem und die Patientenversorgung insgesamt.

Chancen für eine Beschäftigungsoffensive bieten sich insbesondere in folgenden Bereichen an:

  1. Durch den Abbau der erheblichen, zu über 70 Prozent nicht vergüteten Mehrarbeit lassen sich realistisch mindestens 15.000 ärztliche Stellen schaffen.
  2. Die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes ist ein wesentlicher und machbarer Ansatz für eine Beschäftigungsoffensive. Sie ist eine Chance, bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte in den Krankenhäusern zu erreichen und gibt arbeitslosen Ärztinnen und Ärzten eine Perspektive. Durch die Verpflichtung, die Ruhezeit einzuhalten, fällt Arbeitskraft während des Tages aus, die bei unverändertem Leistungsspektrum durch Neueinstellungen kompensiert werden muß.
  3. Wer Stellen im Krankenhaus sichern und neue Stellen schaffen will, muß bereit sein, über notwendige Veränderungen des BAT zu diskutieren. Es ist notwendig, den BAT besser auf den Alltag im Krankenhäusern zuzuschneiden.
  4. Ein Interessenkonflikt zwischen den Belangen der unterschiedlichen Gruppen im öffentlichen Dienst läßt sich durch den Ausbau der Sonderregelungen für den Krankenhausbereich im BAT vermeiden. Die Ausweitung der Sonderregelung 2 c zu einem Sonderteil Krankenhaus im BAT böte Raum für speziell auf die Krankenhäuser zugeschnittene Mindeststandards, die auch die aktuellen Nöte der Klinikträger berücksichtigen könnten.
  5. Die Niederlassungsbeschränkungen müssen aufgehoben werden.
  6. Bestehende Arbeitsfelder für Ärztinnen und Ärzte müssen konsequent besetzt, traditionelle Arbeitsfelder teilweise wieder zurückgewonnen werden. Dies erfordert auch ein Umdenken bei den nachrückenden Ärztinnen und Ärzten. Sie müssen bereit sein, sich auf eine Berufsausübung außerhalb von Klinik und Praxis einzustellen.
    Entsprechende Berufsbilder müssen ihnen frühzeitig nahegebracht werden.
    Zu den neuen Tätigkeitsbereichen zählen besonders die Prävention und die Gesundheitserziehung, aber auch Aufgaben des Gesundheitsmanagements.
  7. Um die Chancen arbeitsloser Ärztinnen und Ärzte auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, müssen die Angebote zur Fort- und Weiterbildung sowie zur Zusatzqualifikation ausgeweitet werden. Möglichkeiten hierzu ergeben sich insbesondere im Bereich Telekommunikation/Telelearning.
  8. Für viele Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland keine Beschäftigung finden, bietet sich eine ärztliche Tätigkeit im Ausland an. Die Vermittlung und Qualifizierung geeigneter Bewerber muß ausgeweitet und verbessert werden.