7. Einjährige Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten gemäß § 8 PTG

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VI-1) faßt der 101. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 101. Deutsche Ärztetag 1998 fordert die politisch Verantwortlichen in den Länderministerien auf, die Voraussetzungen für die Durchführung der in § 8 Absatz 3 Nr. 3 des Psychotherapeutengesetzes festgeschriebenen einjährigen Psychiatrie-Ausbildung für psychologische Psychotherapeuten zu schaffen. Es ist notwendig, dem Ausbildungskandidaten die wichtigsten medizinischen, psychopathologischen und diagnostischen Verfahren zu vermitteln, die auf das Erkennen einer Psychose, der organischen Genese einer Erkrankung, einer Selbst- und/oder Fremdgefährdung sowie einer Abhängigkeitserkrankung zielen, und ihn mit schweren, stationär behandlungsbedürftigen Krankheitsbildern und der notwendigen mehrdimensionalen Diagnostik vertraut zu machen.

Begründung:

Mit Sorge beobachtet die deutsche Ärzteschaft die Tendenz einiger Psychologenverbände, die im Gesetz verankerte Psychiatrie-Ausbildung zur Sicherung einer optimalen Patientenversorgung und kollegialen Zusammenarbeit von Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten zu unterlaufen. Ziel dieser einjährigen Psychiatrie-Ausbildung ist es, den zukünftigen psychologischen Psychotherapeuten in die Lage zu versetzen, Grenzen einer psychologischen Diagnostik und psychotherapeutischer Verfahren bei dem weiten Spektrum psychischer und psychosomatischer Störungsbilder zu erkennen. Darüber hinaus sollen die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden, um bei schwerkranken und besonders versorgungsbedürftigen Patienten im Rahmen eines bio-psycho-sozialen Behandlungskonzeptes Psychotherapie durchführen zu können, und zwar in Abstimmung respektive Kooperation mit dem die Pharmako- und Soziotherapie anwendenden Facharzt.

Das psychiatrische Jahr sollte wenigstens sechs Monate in einer Klinik mit voller Weiterbildungsermächtigung für Psychiatrie und Psychotherapie erfolgen und folgende Bausteine enthalten:

  1. Regelmäßige Teilnahme an Visiten, Teamsitzungen, Gruppensupervisionen, Fallbesprechungen, Konferenzen und stationsinternen Fortbildungsveranstaltungen oder Qualitätszirkeln. Dabei sollte das Kennenlernen des differentialdiagnostischen und differentialtherapeutischen Vorgehens im Mittelpunkt stehen.
  2. Teilnahme am Weiterbildungs-Curriculum der Klinikärzte (Psychopathologie, Forensik, Psychopharmakologie, Sozialpsychiatrie, Diagnostik und Therapie ausgewählter Störungsbilder).
  3. Praktische Anleitung und Durchführung psychopathologischer diagnostischer Verfahren, wie klinischer Interviews, Rating-Verfahren und testpsychologische Verfahren.
  4. Praktische Anleitung zu gezielten psychologischen Trainingsmaßnahmen bei Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern im Rahmen komplexer, mehrdimensionaler Therapieprogramme (Entspannungsübungen, Rollenspiele, Selbstsicherheitstraining, Expositionstraining etc.).

Praktische Anleitung zu unterschiedlichen psychologischen Gruppenprogrammen bei unterschiedlichen psychischen Erkrankungen (psychoedukative Gruppen, Angehörigengruppen, soziales Kompetenztraining und Problemlösegruppen etc.).