8. § 8 Psychotherapeutengesetz

Auf Antrag von Prof. Dr. Grobe (Drucksache VI-14) faßt der 101. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 101. Deutsche Ärztetag 1998 fordert die politisch Verantwortlichen in den Länderministerien auf, die Voraussetzungen für die Durchführung der im § 8 des Psychotherapeutengesetzes festgeschriebenen einjährigen

 

"praktischen Tätigkeit für die Dauer von mindestens einem Jahr in Abschnitten von mindestens drei Monaten an einer psychiatrischen klinischen Einrichtung, an der psychotherapeutische Behandlungen durchgeführt werden, und für mindestens sechs Monate an einer von einem Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtung der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung, in der Praxis eines Arztes, der die psychotherapeutische Behandlung durchführen darf, oder ... eines Kinder- und Jungendlichenpsychotherapeuten abzuleisten ist und unter fachkundlicher Anleitung und Aufsicht steht",

zu schaffen.

Begründung:

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jungendpsychiatrie, die Bundesarbeitsgemeinschaft der leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie e.V. und der Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland e.V. betonen das Erfordernis und die Bereitschaft, den Ausbildungskandidaten und -kandidatinnen zum Beruf des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die wichtigsten psychopathologischen, neuropsychiatrischen, entwicklungsphysiologischen und entwicklungspsychologischen Kenntnisse der Diagnostik und Behandlung unter Einschluß familiendynamischer und soziologischer Faktoren zu vermitteln.

Ziel dieses Ausbildungsabschnittes ist es, die künftigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in die Lage zu versetzen, Grenzen psychotherapeutischer Verfahren im weiten Spektrum kinder- und jugendpsychiatrischer Störungsbilder zu erkennen.

Die Fachverbände für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie halten es für erforderlich, daß die Ausbildungskandidaten über die notwendigen Basiskenntnisse verfügen, die vor allem im Hinblick auf die psychisch und psychosomatisch schwer erkrankten jungen Menschen unabdingbar sind. Diese sind auf ein komplexes Behandlungsvorgehen angewiesen, das psychotherapeutische, pharmakotherapeutische und soziotherapeutische Anteile beinhaltet und das nur unter kompetenter Abstimmung und Kooperation zwischen Facharzt und nichtärztlichen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gelingen kann.

Die einjährige Tätigekeit an einer klinischen psychiatrischen Einrichtung muß deshalb mindestens zur Hälfte an einer Klinik mit voller Weiterbildungsermächtigung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie erfolgen. Dabei soll das Kennenlernen differentialdiagnostischer Abläufe und des kooperativen psychotherapeutischen, soziotherapeutischen und psychopharmakologischen Vorgehens im Mittelpunkt stehen.

Der fachärztlich begleitete Ausbildungsabschnitt sollte mittels eines Ausbildungscurriculums durch einen verantwortlichen Ausbildungsleiter und geregelte Ausbildungsverträge strukturiert sein. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß für die Finanzierung der klinischen Behandlung in der Psychiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie die Vorgaben der Psychiatrie-Personalverordnung gelten. Darin sind bislang keine entsprechenden personellen und damit finanziellen Möglichkeiten zur Gestaltung einer solchen Ausbildungsleistung vorgesehen. Es wird darauf hingewiesen, daß eine entsprechende Finanzierung gesichert sein muß.