45. Vermehrte Bürgerinformation im Gesundheitswesen durch Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache I-4) faßt der 102. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen werden gebeten, ein gemeinsames, bundesweites Informationssystem auf der Basis der ihnen vorliegenden berufs- und vertragsrechtlichen Informationen aufzubauen.

Die Information von Bürgern und Patienten über die ärztliche Versorgung im ambulanten und stationären Bereich gehört seit jeher zu den Aufgaben der Ärzteschaft und ihrer ärztlichen Selbstverwaltung.

Der Fortschritt der Medizin bringt es mit sich, daß sich die Versorgungsangebote und Behandlungsmöglichkeiten immer weiter ausdifferenzieren. Die Bereitstellung sachgerechter und valider Informationen ist unerläßlich, um die notwendige Übersicht zu erleichtern. Erster Ansprechpartner für den Patienten ist und bleibt der Arzt seines Vertrauens, in erster Linie sein Hausarzt, der über die im jeweils individuellen Fall notwendigen Behandlungsmaßnahmen und -möglichkeiten aufklärt.

Die ärztliche Selbstverwaltung steht Bürgern und Patienten für ihre Anfragen ergänzend zur Verfügung. Sie wird bereits heute in sehr großem Umfang von Rat suchenden Bürgern in Anspruch genommen. Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen haben genaue Kenntnisse über die Qualifikationen der Ärztinnen und Ärzte, die diese im Rahmen der Aus-, Weiter- und Fortbildung erworben haben sowie über das jeweilige Leistungsspektrum. Sie haben als einzige Institutionen valide Daten und daher eine originäre Zuständigkeit für die Information der Bürger und Patienten.

Informationen über andere Sachverhalte, z.B. krankenversicherungsrechtliche oder pflegeversicherungsspezifische, können nur mittelbar durch Verweis an diejenigen Institutionen vorgehalten werden, die hierfür in erster Linie zuständig sind. Auf mittlere Sicht bietet sich die Entwicklung eines Informationsnetzes in Zusammenarbeit mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und anderen Organisationen im Gesundheitswesen an.

Zur Zeit etablieren sich in zunehmendem Maße kommerzielle Anbieter, die die Information von Bürgern und Patienten als einträgliches Gewerbe verfolgen. Dabei gehen Ratsuchende das große Risiko ein, daß die zur Verfügung gestellten Informationen von zweifelhafter Qualität sein können.

Im Sinne eines Patientenschutzes ist diesem "Wildwuchs" entgegenzusteuern. Die ärztliche Selbstverwaltung muß sich dieser Aufgabe verstärkt widmen.