48. Gesundheitsförderung nach § 20 SGB V

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache I-6) faßt der 102. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 102. Deutsche Ärztetag begrüßt die Absicht der Regierungskoalition, durch einen neuformulierten § 20 im SGB V Gesundheitsförderung und Selbsthilfe zu stärken. Voraussetzung ist, daß Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung nicht zu Werbezwecken mißbraucht und ihre Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft werden.

Die demographische Entwicklung, die Zunahme chronischer Erkrankungen mit Behinderungen im Alter, der Anstieg funktioneller Störungen sowie vermeidbare Gesundheitsschäden und Folgekosten durch Unfälle und andere äußere Einwirkungen erfordern mehr denn je eine wirksame Gesundheitsförderung. Dies soll dem Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung für seine Gesundheit vermitteln. Nur dadurch kann gewährleistet werden, daß der Einzelne bis ins hohe Alter das Mögliche zur Erhaltung seiner Lebensqualität beitragen kann. Dazu notwendige gesundheitspolitische Voraussetzungen sind:

  • die Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik,
  • die Gestaltung gesundheitsfördernder Lebensbedingungen,
  • die Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen und
  • die Neuorientierung der Gesundheitsdienste in Richtung Gesundheitsförderung.

Die Ärzteschaft trägt seit langem und in beträchtlichem Umfang zur Gesundheitsförderung der Bevölkerung bei, insbesondere durch die individuelle Gesundheitsberatung in der Sprechstunde, die Gruppenarbeit mit Risikopersonen, Behinderten oder Kranken und die Mtiwirkung an öffentlichen Gesundheitsprogrammen. So beteiligen sich Ärzte aktiv und kontinuierlich an Gesundheitsförderungsmaßnahmen in Schulen. In regelmäßigen Präventionsaktionen bringt die Ärzteschaft ihre Kompetenz und das Gewicht ihrer Anerkennung in der Bevölkerung ein, um Menschen für die Fragen der Gesundheit zu sensibilisieren. So fanden im Zuge der Ärztlichen Präventionstage 1998 bundesweit 2.000 Aktionen statt, in denen Kinder, Jugendliche und ihre Eltern in Kindergärten, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen von Ärzten beraten wurden.

Der 102. Deutsche Ärztetag fordert den Gesetzgeber auf, die Ärzteschaft im Rahmen des § 20 SGB V aktiv an der Gesundheitsförderung zu beteiligen und für die Gesundheitsförderung und Prävention die gleichen Qualitätsmaßstäbe anzusetzen wie für die ärztliche Behandlung.

Gesundheitsförderung und Prävention müssen wissenschaftlich fundiert sein, qualifiziert durchgeführt und in ihrer Wirkung evaluiert werden.

Die Ärzteschaft steht hierzu mit ihrem Sachverstand zur Verfügung und empfiehlt eine gesetzliche Regelung, in der die Selbstverwaltung der Ärzteschaft und die Krankenkassen miteinander Maßnahmen der Gesundheitsförderung abstimmen.