1. Fortbildungszertifikat der Ärztekammern

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache II-1) unter Berücksichtigung des Antrages von Dr. Zimmermann (Drucksache II-1a) beschließt der 102. Deutsche Ärztetag:

Der 102. Deutsche Ärztetag nimmt das Fortbildungszertifikat der Ärztekammern zum freiwilligen Fortbildungsnachweis (s. Anlage) zustimmend zur Kenntnis und bittet die Landesärztekammern, die bisher keine Modellversuche zum Fortbildungsnachweis angeboten haben, diese auf der Basis der hier formulierten Rahmenbedingungen einzuführen.

Er beauftragt den Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung, diese Bemühungen zu begleiten und zu koordinieren und dem Deutschen Ärztetag über die gemachten Erfahrungen zu berichten.

Begründung:

Fortbildungsmaßnahmen vermitteln den aktuellen Stand von Wissenschaft und Praxis. Sie sichern und verbessern die Qualität der Patientenversorgung.

Das Vertrauen des Patienten gegenüber seinem Arzt gründet sich im wesentlichen darauf, daß sich die medizinische Betreuung an aktuellem Fachwissen und Können orientiert. Infolgedessen ist jeder Arzt verpflichtet, seine fachliche Kompetenz durch berufsbegleitendes Weiterlernen - durch Fortbildung - kontinuierlich zu aktualisieren und zu festigen.

Ärztliche Fortbildung dient der Verbesserung des ärztlichen Handelns und ist damit ein Instrument der Qualitätssicherung.

Das Fortbildungszertifikat ist der Nachweis für die freiwilligen Fortbildungsaktivitäten des Arztes.

Anlage:

Das Fortbildungszertifikat der Ärztekammern -
ein Angebot der Ärztekammern zum freiwilligen Fortbildungsnachweis

(Stand: 30. März 1999)

Die Fortbildung dient dazu, die in der Aus- und Weiterbildung erworbenen Kompetenzen zu erhalten und zu erweitern sowie die Kenntnisse entsprechend den Entwicklungen in der Medizin zu aktualisieren.

Die Ärztin/der Arzt, die/der ihren/seinen Beruf ausübt, ist verpflichtet, sich in dem Umfange beruflich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Entwicklung der zu ihrer/seiner Berufsausübung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist.

Die Ärztin/der Arzt muß ihre/seine Fortbildung gegenüber der Ärztekammer in geeigneter Form nachweisen können [§ 4 der (Muster-)Berufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte].

Ärztinnen und Ärzten, die belegen, daß sie sich auf freiwilliger Basis besonders qualifiziert fortbilden, wird auf Antrag von der zuständigen Ärztekammer ein Fortbildungszertifikat ausgestellt.

Durch ein Fortbildungszertifikat wird den Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit gegeben, ihre regelmäßige qualifizierte Fortbildung als Bestandteil einer Qualitätssicherungsmaßnahme [§ 5 der (Muster-)Berufsordnung] zu dokumentieren.

Die Fortbildungszertifizierung ist ein Angebot der Ärztekammern zur Würdigung der freiwilligen Fortbildungsbemühungen ihrer Mitglieder.

Die individuell unterschiedlichen Formen des Lernverhaltens und der ärztlichen Tätigkeit spiegeln sich in der Vielfalt der Fortbildungsmethoden und -medien wider.

Voraussetzungen zur Ausstellung des Fortbildungszertifikats

Das Fortbildungszertifikat wird ausgestellt, wenn

  1. die/der approbierte Ärztin/Arzt in minimal 3 Jahren 150 Fortbildungseinheiten bzw. im Laufe von maximal 5 Jahren 250 Fortbildungseinheiten erworben und dokumentiert hat

und

  1. einen Antrag auf Ausstellung bei der zuständigen Ärztekammer gestellt hat.

Empfehlungen für die Mindestpunktzahl

Die Grundeinheit der Fortbildungsaktivitäten ist der "Fortbildungspunkt". Dieser entspricht in der Regel einer einstündigen Fortbildung.

Ein Zusatzpunkt kann vergeben werden bei der Teilnahme

  • an einer Fortbildungsveranstaltung in Seminarform,
  • an einem anerkannten Qualitätszirkel,
  • an einer abschließenden Evaluation durch Kolloquium oder schriftliche Lernerfolgskontrolle

Angemessen berücksichtigt werden:

  • Hospitationen zum Zweck der Fortbildung,
  • Fall- und Klinikkonferenzen,
  • Referenten- / Autorentätigkeit
  • sowie das Selbststudium.

Anerkennung von Fortbildungsmaßnahmen durch die Ärztekammern

Den Ärztekammern obliegt die Vergabe der Zertifizierung von Fortbildungsveranstaltungen, die für den Fortbildungsnachweis anerkannt werden.

Die Fortbildungsveranstalter beantragen die Zertifizierung bei der jeweils für den Ort der Veranstaltung zuständigen Ärztekammer.

Voraussetzung für die Anerkennung ist, daß die Fortbildungsinhalte

  • den Zielen der Berufsordnung sowie dem aktuellen medizinischen Kenntnisstand entsprechen,
  • ausschließlich medizinisch-fachliche Themen vermitteln

und

  • die Empfehlungen der Ärztekammern für die Qualitätssicherung der ärztlichen Fortbildung (in: "Leitsätze und Empfehlungen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Fortbildung") berücksichtigen,
  • Fortbildungsveranstaltungen müssen frei von wirtschaftlichen Interessen sein.

Für den Nachweis werden Fortbildungsveranstaltungen

  • von ärztlichen Kreis- und Bezirksverbänden, Ärztekammern sowie deren Akademien
  • mit dem Vermerk "in Zusammenarbeit mit der ..... Ärztekammer / mit der ...... Akademie für ärztliche Fortbildung"

sowie auf Antrag

  • von wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften
  • von ärztlichen Berufsverbänden

anerkannt.

Darüber hinaus können Fortbildungsmaßnahmen anerkannt werden, wenn sie den o. g. Kriterien entsprechen und der jeweiligen Kammer zur Anerkennung vorgelegt werden.

Anforderungen an den Fortbildungsveranstalter

Jede zur Anrechnung auf das Fortbildungszertifikat vorgesehene Fortbildungsveranstaltung wird der Landesärztekammer mitgeteilt. Die Mitteilung enthält das jeweilige Programm, die Namen des Moderators bzw. Kursleiters und der Referenten. Die Ärztekammer vergibt in enger Abstimmung mit dem Veranstalter die Zahl an Fortbildungspunkten, die bei der Veranstaltung erworben werden können.

Der Veranstalter verpflichtet sich, nach Möglichkeit eine Anwesenheitsliste zu führen.