Beschlussprotokoll des 104. Deutschen Ärztetages vom 22.-25. Mai 2001 in Ludwigshafen

2. Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache V-3) fasst der 104. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 104. Deutsche Ärztetag fordert eine Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung. Der Sachverständigenrat spricht von einem Einsparpotential von rund 25 bis 30 % der heutigen Gesundheitsausgaben in Deutschland durch langfristige Prävention. Ärztinnen und Ärzte haben günstige Voraussetzungen hierbei mitzuwirken, da über 90 % der Bevölkerung über alle Schichten hinweg mindestens einmal im Jahr einen Arzt aufsucht. Innerhalb der Arzt-Patient-Beziehung können die Gesundheitsmöglichkeiten und -fähigkeiten des Patienten bewusst gesucht und erkannt sowie konstruktiv in die Behandlung einbezogen werden. Konkrete Beispiele für wissenschaftlich gut belegte Maßnahmen sind die ärztliche Beratung der Eltern zur Verhütung von Kinderunfällen, Frühintervention und Beratung bei Menschen mit Alkoholproblemen, Behandlung der Tabakabhängigkeit und ärztliche Ernährungsberatung. Auch innerhalb der psychosomatischen Grundversorgung steht die Förderung der Ressourcen des Patienten und seines sozialen Umfelds im Vordergrund. Darüber hinaus engagieren sich Ärzte aus persönlicher Überzeugung und oft ohne Vergütung für Prävention und Gesundheitsförderung.

So fanden im Rahmen der Ärztlichen Präventionstage 1998 in der Praxis, in Schulen und Kindergärten, in sozialen Brennpunkten und der Gemeinde insgesamt rund 2.000 ärztliche Aktionen für die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen statt. Der Deutsche Ärztetag hat bereits mehrmals spezifische Konzepte der Gesundheitsförderung beschlossen. So 1998 den Bericht "Gesundheit im Alter" und in diesem Jahr den Bericht "Verletzungen und deren Folgen - Prävention als ärztliche Aufgabe". Es ist zu begrüßen, dass mit dem Bundesgesundheitssurvey 1998 ein wichtiger weiterer Baustein für den Aufbau einer Gesundheitsberichterstattung auf Bundesebene gesetzt wurde. Der Deutsche Ärztetag begrüßt die geplante Kinder- und Jugendgesundheitserhebung als eine weitere wichtige Ergänzung. Dies wird mittelfristig ermöglichen, besonders dringliche Gesundheitsprobleme zu erkennen und Handlungsschwerpunkte zu setzen. Das hohe Potential ärztlicher Gesundheitsförderung kann jedoch umfassend nur genutzt werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die ärztliche Selbstverwaltung übernimmt ihren Anteil durch das Angebot strukturierter ärztlicher Fort- und Weiterbildung, die Entwicklung von Beratungsleitfäden und die Mitwirkung in gesundheitsfördernden Netzwerken. Der Deutsche Ärztetag fordert die Bundesregierung und die gesetzlichen Krankenkassen auf, neben der bereits bestehenden außerbudgetären Vergütung von Gesundheits- und Kinderuntersuchungen sämtliche ärztliche Leistungen der Gesundheitsförderung und Prävention außerhalb des Budgets zu stellen.