Beschlussprotokoll des 104. Deutschen Ärztetages vom 22.-25. Mai 2001 in Ludwigshafen

4. Mehr Schulsport und Bewegungsförderung

Auf Antrag von Frau Dr. Bühren, Herrn Henke und Dr. Peters (Drucksache V-48) fasst der 104. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der Deutsche Ärztetag ist besorgt darüber, dass trotz jahrelanger Forderungen zahlreicher Verbände und gesellschaftlicher Gruppierungen und trotz entsprechender Zusicherungen der Kultusministerkonferenz immer noch nicht das Minimum von 3 Stunden Sportunterricht für alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreicht ist. Mittlerweile ist nachgewiesen, dass Geschicklichkeit und Bewegungssicherheit von Kindern und Jugendlichen abnehmen. In direktem Zusammenhang stehen zunehmende Haltungsschwächen, krankhafte Veränderungen des Skelettsystems, Übergewicht, Verringerung sozialer Fähigkeiten und - im späteren Lebenslauf - Erkrankungen des Bewegungsapparates und des Herzkreislaufsystems.

Der 104. Deutsche Ärztetag fordert daher alle für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen Verantwortlichen auf, ein Zeichen für mehr gesundheitsförderliche Bewegung bei Kindern und Jugendlichen zu setzen:

  • Die Familien sollten für eine bewegungsfreundliche Gestaltung von Alltag und Freizeit sorgen, z. B. durch regelmäßige bewegungsbetonte Spiele, die Inanspruchnahme von Sport-/Freizeitangeboten und eine bewegungsfreundliche Umgebung für Kinder und Jugendliche.
  • Die Kultusministerkonferenz sollte endlich das bereits 1985 vereinbarte "2. Aktionsprogramm für den Schulsport" in allen Bundesländern realisieren und ein Minimum von 3 Stunden Sportunterricht gewährleisten. Der Schulsport sollte ergänzt werden durch das Konzept: "Bewegungsfreundliche Schule" (in allen Klassenstufen werden in den Pausen, in Schulstunden und auf Klassenfahrten zusätzliche Bewegungs-, Spiel- und Sportmöglichkeiten angeboten und durchgeführt).
  • Ein regelmäßiger Sportunterricht ist auch für die Schüler der berufsbildenden Schulen unverzichtbar. Außerdem sind Möglichkeiten des außerschulischen Sports, insbesondere durch eine Kooperation zwischen Schulen und Sportvereinen, zu fördern.
  • Es sollte eine vollständige Datengrundlage geschaffen werden, um den Fortschritt von Maßnahmen beurteilen zu können, insbesondere durch die Durchführung einer repräsentativen Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland.