Ärztemangel in Ostdeutschland

Beschlussprotokoll des 107. Deutschen Ärztetages vom 18.-21. Mai 2004 in Bremen

Der Antrag von Dr. Windau (Drucksache I-06) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Der Ärztetag fordert die Bundesregierung und die Landesregierungen auf, strukturelle Maßnahmen einzuleiten, damit der Arztberuf für deutsche Absolventen der Medizin wieder attraktiv wird und unser Nachwuchs nicht weiter in das westeuropäische Ausland abwandert. Dazu gehören insbesondere die Anpassung der Vergütung an das westdeutsche Niveau sowie Förderungen für die Niederlassung in ländlichen Regionen.

Der Ärztetag fordert die Einführung von Sonderregelungen für die befristete Anstellung oder Niederlassung ärztlicher Kollegen aus Osteuropa, um Versorgungsengpässe in einzelnen Regionen Ostdeutschlands kurzfristig auszugleichen und den ausländischen Kollegen schon heute die Chance zu eröffnen, Auslandserfahrung zu sammeln.

Begründung:

Wir brauchen endlich eine an das Westniveau angepasste Vergütung und angemessene Arbeitszeiten, damit die jungen Ärzte in Ostdeutschland bleiben. Die Abschaffung des Arztes im Praktikum und die Modernisierung des Studiums waren nur erste kleine Schritte, die wir bei der Politik durchgesetzt haben.

Es bedarf sehr viel mehr Anstrengungen, damit wir nicht in weniger als zehn Jahren einen Versorgungsnotstand in einzelnen Bundesländern verzeichnen müssen. Schon heute sind in Sachsen rund 50 Hausarztpraxen und 300 Klinikstellen nicht besetzt - Tendenz steigend. Mit der Umsetzung des EuGH-Urteils zur Arbeitszeit in Krankenhäusern würden in Sachsen rund 700 Klinikstellen zusätzlich benötigt.

Auf Initiative der Sächsischen Landesärztekammer wurde bereits im Jahr 2002 unter Leitung des Sächsischen Sozialministeriums eine ständige Arbeitsgruppe zur Sicherung der ambulanten und stationären ärztlichen Versorgung sowie der des öffentlichen Gesundheitsdienstes eingerichtet - dies unter Beteiligung der Sächsischen Landesärztekammer und aller anderen relevanten Partner. Die Umsetzung struktureller Vorschläge dieser Arbeitsgruppe und des Sächsischen Sozialministeriums scheiterte bis dato an den ungelösten Finanzierungsproblemen.

Auf der Bundesebene wird das Problem des Ärztemangels nicht ernst genug genommen.

Wir können es uns nicht mehr leisten, jungen wie auch etablierten Ärzten in Deutschland keine guten Perspektiven zu bieten und sie stattdessen in das Ausland abwandern oder in Resignation und Erschöpfung vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden zu lassen.