Bessere Verankerung der Allgemeinmedizin an den medizinischen Fakultäten

Beschlussprotokoll des 107. Deutschen Ärztetages vom 18.-21. Mai 2004 in Bremen

Der Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VI-03) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer zurücküberwiesen:

Der 107. Deutsche Ärztetag fordert den Deutschen Medizinischen Fakultätentag auf, das Fach Allgemeinmedizin so schnell wie möglich und seiner Bedeutung angemessen in alle medizinischen Fakultäten zu integrieren. Mit der neuen Approbationsordnung hat die Allgemeinmedizin - u. a. durch Einbindung in die Vorklinik sowie die Berücksichtigung als Wahlfach und im Praktischen Jahr - einen höheren Stellenwert in der Ausbildung erhalten. Diese neue Aufgabenstellung des Faches in der Ausbildung zum Arzt erfordert nicht nur eine inhaltliche Ausfüllung der vorgeschriebenen Lehrangebote gemeinsam mit der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft, sondern vor allem auch - den neuen Anforderungen an das Fach entsprechende - adäquate Rahmenbedingungen und die notwendige Infrastruktur an den Fakultäten zur Erfüllung der erweiterten Aufgaben.

Eine Umfrage bei den medizinischen Fakultäten ergab, dass diese in ihrer überwiegenden Mehrzahl nicht darauf vorbereitet sind, die Anforderungen der Approbationsordnung im Fach Allgemeinmedizin zu erfüllen. Nur an wenigen Fakultäten gibt es die klassischen vollausgestatteten C4-Abteilungen (Düsseldorf, Frankfurt, Göttingen, Hannover); daneben sind zwei Stiftungsprofessuren in Heidelberg und Kiel sowie ein Arbeitsschwerpunkt in Hamburg erwähnenswert. Vorhandene Lehrbeauftragte fristen häufig ein Schattendasein, ohne über die unbedingt notwendige organisatorische oder finanzielle Unterstützung zu verfügen.

Der 107. Deutsche Ärztetag stellt fest, dass die unzulängliche Situation in der Ausbildung im Fach Allgemeinmedizin nicht nur im Widerspruch zum Ziel der neuen Approbationsordnung steht, die Ausbildung in der Medizin praxisnäher zu gestalten, sondern auch dem politischen Bekenntnis zum Stellenwert der hausärztlichen Versorgung widerspricht. Dadurch wird weiterhin die Chance vertan, genügend junge Ärzte und Ärztinnen in dieser beruflichen Prägephase für die hausärztliche Tätigkeit zu gewinnen.

Der 107. Deutsche Ärztetag fordert den sukzessiven Ausbau von Lehrstühlen in der Allgemeinmedizin als dauerhafte Organisationsform mit angemessener finanzieller Grundausstattung. Dies würde zu einer größeren Zahl von Lehrenden im Fach Allgemeinmedizin und zugleich zum dringend notwendigen Ausbau der Forschung im Bereich der medizinischen Primärversorgung, insbesondere der Versorgungsforschung, führen. Der notwendige Praxisbezug ist durch die Verbindung zu qualifizierten Lehrpraxen zu gewährleisten. Eine solche Vernetzung wird den Besonderheiten des Faches Allgemeinmedizin in seiner spezifisch praxisbezogenen Ausrichtung am ehesten gerecht und vermittelt angehenden Ärzten einen unmittelbaren Einblick in die hausärztliche Versorgung.

Zur Realisierung der Vorgaben der Approbationsordnung zur Allgemeinmedizin an den medizinischen Fakultäten fordert der 107. Deutsche Ärztetag eine Bündelung der Aktivitäten des Deutschen Medizinischen Fakultätentages, der wissenschaftlichen und politischen Repräsentanten der Allgemeinmedizin und der Gesundheitsministerkonferenz.