Bürokratie in der Arztpraxis

Beschlussprotokoll des 107. Deutschen Ärztetages vom 18.-21. Mai 2004 in Bremen

Auf Antrag von Herrn Bodendieck (Drucksache VI-36) fasst der 107. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Die Deutsche Ärzteschaft richtet sich gegen jede weitere Bürokratisierung ihrer Tätigkeit und fordert von den Entscheidungsträgern eine deutliche Beschränkung der Bürokratie in Praxis und Klinik.

Wir fordern eine Minimierung des Aufwandes an medizinischer Dokumentation bei DMP und DRG, wir fordern eine Reduktion der Nachfrageleistungen der Krankenkassen, wir fordern eine Reduktion des Dokumentationsaufwandes zur Begründung optimaler Patientenversorgung.

Begründung:

Die Deutsche Ärzteschaft unterstützt Bemühungen zur Reform des Gesundheitswesens, soweit die Wissenschaftlichkeit der Maßnahmen dem aktuellen Stand entsprechen.

Entwicklungen der letzten Jahre aber laufen dieser Forderung entgegen. Einführung von DMP und DRG ebenso, wie auch eine massive Zunahme der Nachfragen der GKV verhindern zunehmend eine ausreichende Patientenversorgung.

Der Arzt/die Ärztin in Klinik und Praxis ist zunehmend damit beschäftigt, nicht evaluierbare Dokumentationsbögen auszufüllen. Die Zeit für sparsamere qualitätsgesicherte Patientenbetreuung durch Zuwendung wird dabei aber immer geringer.

Erschwerend tritt der Ärztemangel insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern hinzu.

Es ist nicht nur eine Tendenz, sondern Gewissheit, dass sich der Arzt durch politische und bürokratische Vorgaben immer weiter von seinem Patienten entfernen muss, kostet allein die Erstellung eines DMP-Dokumentationsbogens 10 - 15 Minuten Zeit. Die Flut von Bescheinigungen zur Erlangung der Befreiung von Zuzahlungen, Nachfragen bei Arbeitsunfähigkeit - nicht zuletzt oft, wenn der Patient bereits seit langem wieder arbeitsfähig ist, oder auch nach sehr kurzer Dauer der Arbeitsunfähigkeit und unzählige andere Dokumentationsbögen fern ab der medizinischen Tätigkeit behindern die ärztliche Tätigkeit in der Praxis massiv.

In den Kliniken sind DRG und ebensolche Anfragen der GKV tägliches Ärgernis der Kolleginnen und Kollegen.

Die bereits heute bestehende Bürokratie und deren zu erwartende Ausweitung unterminieren das Arzt-Patientenverhältnis und sind Ausdruck des Misstrauens gegenüber der Deutschen Ärzteschaft.