Beschlussprotokoll des 108. Deutschen Ärztetages vom 03.-06. Mai 2005 in Berlin

Prävention und Therapie der Tabakabhängigkeit

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VIII-07) unter Berücksichtigung des Antrages von Frau Haus, Prof. Dr. B. Bertram, Herrn Kötzle und Dr. Rütz (Drucksache VIII-07a) fasst der 108. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Mehr als 300 Menschen in Deutschland sterben täglich an den direkten Folgen des Tabakkonsums. Die Lebenszeit von Rauchern ist im Vergleich zu Nichtrauchern im Durchschnitt um 8 Jahre verkürzt. Ihr Risiko, einen Myokardinfarkt zu erleiden, ist im Durchschnitt doppelt so hoch wie das eines Nichtrauchers. Ihr Schlaganfallrisiko beträgt sogar das Vierfache. 90 % der Erkrankungen an einem Bronchialkarzinom sind durch das Rauchen verursacht.

70 - 80 % der Raucher erfüllen die Kriterien einer manifesten Abhängigkeitserkrankung nach der ICD-10. Etwa ein Drittel von ihnen hat im vergangenen Jahr vergeblich versucht, vom Nikotin loszukommen, die Mehrzahl ist weiterhin motiviert, das Rauchen aufzugeben.

Der Arzt oder die Ärztin können dabei wichtige Hilfen leisten. Die Wirksamkeit des ärztlichen Beratungsgesprächs in der Behandlung von Rauchern ist wissenschaftlich belegt, sie kann durch die Intensität der Beratungskontakte und u. a. durch den Einsatz von Nikotinersatzpräparaten weiter gesteigert werden.

Deshalb fordert der 108. Deutsche Ärztetag dazu auf, dass

  • Ärztinnen und Ärzte ihre Patienten auf das Rauchen ansprechen und ihnen Hilfen bei der Behandlung der Abhängigkeit anbieten. Insbesondere sind Schwangere und junge Eltern sowie Patienten, die bereits manifeste Folgeerkrankungen des Tabakkonsums aufweisen, zur Aufgabe des Tabakkonsums zu motivieren.
  • Ärztinnen und Ärzte dafür Sorge tragen, dass Krankenhäuser rauchfrei werden. Für rauchende Mitarbeiter und Patienten sollen Möglichkeiten einer Entwöhnungsbehandlung geschaffen werden.
  • verstärkt Fortbildungsangebote für Ärztinnen und Ärzte zur Tabakentwöhnung an den Akademien der Landesärztekammern angeboten werden. Die Bundesärztekammer wird dafür ein Mustercurriculum erarbeiten.

Der Deutsche Ärztetag begrüßt ausdrücklich, dass die WHO den diesjährigen Weltnichtrauchertag unter das Motto "Health Professionals and Tobacco Control" gestellt hat.

Darüber hinaus fordert der 108. Deutsche Ärztetag die Bundesregierung und die entscheidenden politischen Gremien auf,

  • die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass ärztliche Behandlungsleistungen in der Beratung und Entwöhnung von Rauchern extrabudgetär vergütet werden.
  • für eine konsequente Umsetzung der Vereinbarungen des Internationalen Rahmenabkommens der WHO zur Tabakkontrolle in deutsches Recht Sorge zu tragen. Dies umfasst vor allem eine wirksame Preispolitik für Tabakprodukte, ein umfassendes Tabakwerbeverbot, einen wirksamen Schutz vor Passivrauch in öffentlichen Gebäuden und an Arbeitsstätten sowie wirksame Aufklärungsmaßnahmen über die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums.