15. Chronische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter

Auf Antrag von Dr. Voigt und Dr. Zimmermann (Drucksache III-17) fasst der 110. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Seit vielen Jahren weisen Kinder- und Jugendmediziner auf die zunehmende Zahl chronisch oder rezidivierend erkrankter Kinder und Jugendliche hin.

Die Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS-Studie) erfasst jetzt erstmalig systematisch epidemiologische Daten zur gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen. Die Zahlen belegen in eindrucksvoller Weise, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland nicht nur in großer Zahl unter psychischen Störungen, sondern zusätzlich eine große Zahl von ihnen an chronischen Erkrankungen leiden. So sind 15 % der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, immerhin 6,3 % gelten als adipös. Alarmierend ist die Verdoppelung dieser Zahlen in den vergangenen 10 – 15 Jahren sowie die Zunahme an Typ II Diabetikern im Kindes- und Jugendalter.

Beunruhigend hoch ist auch die Zahl von essgestörten Kindern und Jugendlichen. Atopische Erkrankungen sind in großem Umfang unter Kindern und Jugendlichen verbreitet, Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis, alle mit steigender Tendenz. In diesem Zusammenhang muss es große Sorge bereiten, dass immerhin 44 % aller Kinder und Jugendlichen andauerndem Passivrauchen ausgesetzt sind.

Besonders hingewiesen werden muss darauf, dass der Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen stark geprägt ist vom Sozialstatus der Familien. Die Zahlen belegen die alte Erfahrung, dass Armut und Krankheit auch heute noch eine unheilige Allianz eingehen.

Der Deutsche Ärztetag fordert vor diesem Hintergrund die Politiker in Bund und Ländern auf, durch geeignete Maßnahmen dieser Tendenz entgegen zu wirken.

Dazu gehören:

  • Ausbau der primären Prävention
  • Gesundheitserziehung in vorschulischen und schulischen Einrichtungen unter Beteiligung der Ärzteschaft
  • Verbesserung des Nichtraucherschutzes in den Familien (z. B. Verbot von Rauchen im PKW!)