28. Intensivere Kooperation der Behandlungsebenen von Erwachsenen und Kindern in Prävention, Diagnostik und Therapie bei psychosozialen Störungen in Familien

Auf Antrag von Frau Dr. Bühren, Dr. Fleischmann, Frau B. Löber-Kraemer, Dr. Hutterer, MR Dr. Scheerer und Dr. Urban (Drucksache III-30) unter Berücksichtigung des Antrags von Frau Dr. Gitter (Drucksache III-30a) beschließt der 110. Deutsche Ärztetag:

Das gesunde Aufwachsen von Kindern hängt wesentlich von der Gesundheit ihrer Erziehungspersonen ab.

Schwere körperliche oder psychische Erkrankungen der Eltern wirken sich auf die körperliche und seelische Gesundheit ihrer Kinder aus. Deshalb ist die enge Kooperation der Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete, insbesondere der Ärzte für Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie und  -psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie sozialpädiatrischer Zentren unabdingbar.

Der Deutsche Ärztetag weist auf diesen Zusammenhang hin. Eine innerärztliche Kommunikation zwischen den behandelnden Ärztinnen und Ärzten der Eltern und der Kinder muss in diesen Fällen auch rechtlich ermöglicht werden.

Begründung:

Die Zusammenhänge sind hinlänglich bekannt. Als ein Beispiel sei eine amerikanische Verlaufsstudie genannt, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen der seelischen Erkrankung von Müttern und der psychischen Gesundheit ihrer Kinder beschäftigt.

Wurden Mütter mit einer Depression über drei Monate medikamentös behandelt, erfolgte in dieser Zeit eine 11 %ige Reduktion der Verhaltensauffälligkeiten und seelischen Symptome ihrer Kinder.

Wurden die depressiven Mütter in der Kontrollgruppe dahingehend nicht behandelt, erfolgte in derselben Zeit von drei Monaten ein 8 %iger Anstieg der Symptome bei deren Kindern.

Diese Untersuchung von Kindern zeigt, wie notwendig und hilfreich es sein kann, im familiären Umfeld psychische Störungen zu erkennen und zu behandeln – auch im Hinblick auf die immensen Kosten für die Gesellschaft bei schweren Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen.