4. Gesundheit in Schulen fördern

Auf Antrag von Dr. Munte, Dr. von Römer, Dr. Eyrich, Dr. Kaplan, Herrn W. Gradel und Dr. Reising (Drucksache III-6a) fasst der 110. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Die Delegierten des Deutschen Ärztetags fordern die Ärztekammern der Länder, die psychologischen Psychotherapeutenkammern der Länder, die Kassenärztlichen Vereinigungen, die betroffenen Berufsverbände (Kinder- und Jugendärzte/Haus-ärzte/Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten), die Krankenkassen sowie die zuständigen Ministerien der Länder auf, sich für ein Tätigwerden von Ärzten und Psychotherapeuten in den Schulen zur Gesundheitsförderung von Kindern und insbesondere von Jugendlichen zu engagieren.

Begründung:

Bei Kindern und Jugendlichen ist in den letzten Jahren eine Zunahme von gesundheitlichen Problemen zu verzeichnen. Laut Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) sind die Prävalenzzahlen für Übergewicht 2003 - 2006 im Vergleich zu den Jahren 1985 - 1999 um 50 % gestiegen. Die Häufigkeit von Adipositas hat sich im vorgenannten Zeitraum sogar verdoppelt. Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes leiden 10 bis 20 % der Kinder und Jugendlichen an Übergewicht, 5 bis 18 % der Kinder und Jugendlichen weisen Symptome von ADHS auf, fast 18 % der 12- bis 17-jährigen sind von Depressionen betroffen und 38 % der Jugendlichen rauchen [1].

Im Gegensatz zu diesen gravierenden gesundheitlichen Defiziten bei Kindern und Jugendlichen steht die geringe Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen (Beispiel Bayern: nur ca. 35 % der Jugendlichen). Die Ärzte und Psychotherapeuten haben somit insbesondere bei der Zielgruppe der Jugendlichen nur sehr eingeschränkt die Möglichkeit, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig mit Präventions- oder Therapieangeboten tätig zu werden.[1]


[1] Quellen: Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Berlin 2004; BzGA, Drogenaffinitätsstudie 2001, Essau; C. A. u. a., Bremer Jugendstudie, 1998; Kolip, P.u.a., Jugend und Gesundheit, Weinheim 1995;