14. Keine Industrialisierung ärztlicher Tätigkeiten


Auf Antrag von Dr. Tegethoff (Drucksache V-108) beschließt der 110. Deutsche Ärztetag:

Der 110. Deutsche Ärztetag fordert die Fachgesellschaften auf, einer Industrialisierung ärztlicher Tätigkeiten entgegenzuwirken. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stellt eine wesentliche Ressource der Behandlung dar und darf nicht durch Depersonalisierung beeinträchtigt werden.

In großen Krankenhäusern werden Tätigkeiten am Patienten immer weiter aufgeteilt. Schon bei der Aufnahme stehen oft zunächst verwaltungstechnische Dinge im Vordergrund. Die allgemeine Anamnese wird von der Pflegekraft oder der medizinischen Dokumentationsassistent/-in (MDA) erhoben. Der Stationsarzt muss gerade operieren und hat anschließend Bereitschaftsdienst, etc. Ein anderes Beispiel aus der Anästhesie: Die Aufklärung erfolgt in der Ambulanz, die Narkose beginnt in der zentralen Einleitung, sie wird von einem anderen Arzt fortgeführt und endet in der Post-Anesthesiea-Care-Unit (PACU) zur Ausleitung. Der Patient hatte keine Möglichkeit, "seinen" Narkosearzt kennen zu lernen.

Die Arzt-Patienten-Beziehung wird durch derartige Organisationsformen nachhaltig gestört. Es liegt in der Hand der Ärzteschaft, dem entgegenzuwirken.