6. Verlässlichkeit der Information


Auf Antrag von Dr. Josten, Dr. Hülskamp und Frau Dr. Gitter (Drucksache V-40) wird in zweiter Lesung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Der 110. Deutsche Ärztetag respektiert die Bemühungen des "Aktionsbündnis Patientensicherheit" um die Qualität medizinischer Leistungen, insbesondere um die Vermeidung von unerwünschten Ereignissen bei ärztlichen Eingriffen.

Die ärztlichen Möglichkeiten zur Hilfe – selbst in äußerst schwierigen Fällen – konnten in den letzten Jahren in erheblichem Umfang erweitert werden, dennoch können medizinische Eingriffe nicht völlig risikolos sein.

Diesem unvermeidbar "risikogeneigten" Handeln des Arztes wird in Deutschland durch Maßnahmen der Fortbildung, der externen Qualitätssicherung, der Zertifizierung, berufsrechtlichen Prüfungen, der systematischen Evaluation sowie der Fehlerauswertung Rechnung getragen.

Die deutsche Ärzteschaft weist mit Nachdruck darauf hin, dass die vom "Aktionsbündnis Patientensicherheit" auf der Basis ausländischer Studien ermittelte und durch Analogien hochgerechnete Zahl von 17.000 Toten in deutschen Krankenhäusern objektiv falsch ist.

Es lässt sich nicht die geringste Evidenz nachweisen, dass diese Zahl die realen Verhältnisse in Deutschland trifft.

Nach sorgfältiger Recherche der zur Verfügung stehenden deutschen Daten der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, der Staatsanwaltschaften und der Haftpflichtversicherungen ist anzunehmen, dass bei ca. 17 Millionen medizinischen Prozeduren pro Jahr in allen deutschen Krankenhäusern ca. 700 behandlungsbedingte Todesfälle zu verzeichnen sind.

Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die nicht zu Arzthaftungsverfahren führende Dunkelziffer behandlungsbedingter Todesfälle die Differenz von ca. 16.300 Todesfällen ergeben sollte.

Der Deutsche Ärztetag stellt fest, dass die positiven Bemühungen des Aktionsbündnisses durch unseriöse "Zahlen" gefährdet und bei Patienten unnötige Ängste geschürt werden.

Der Deutsche Ärztetag ruft alle Verantwortlichen auf, bei Informationen und Aufklärung über die Folgen des ärztlichen Handelns, evidenzbasierte Erkenntnisse zu nutzen und die Bevölkerung nicht unnötig mit Halbwahrheiten zu verunsichern.

Ziel der deutschen Ärzteschaft ist es, durch offene, selbstkritische, faire und sachgemäße Information aufzuklären und dazu beizutragen, ein realistisches Bild des medizinischen Leistungsgeschehens in Deutschland zu zeichnen.