2. Abschaffung der Bonus-Malus-Regelung

Auf Antrag von Frau Prof. Dr. Braun (Drucksache V-24) fasst der 110. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Die vom Gesetzgeber vorgegebene Festlegung, im Rahmen der so genannten Bonus-Malus-Regelung für die Arzneimittelgruppen bzw. Leitsubstanzen wie Statine, selektive Betablocker, Triptane, Alpha-1-Blocker und selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer einen zu erreichenden Verordnungsanteil zu bestimmen und für jede Arzneigruppe die Kosten der Defined Daily Dose (DDD) festzulegen, widerspricht wissenschaftlichen Grundlagen:

Die von der WHO definierte DDD beschreibt die durchschnittliche Erhaltungsdosis des jeweiligen Wirkstoffs in der Hauptindikation; diese Angaben sind keine Dosierungsempfehlungen, sondern lediglich statistische Rechengrößen. Um einer Malus-Regelung zu entgehen, wird empfohlen, Großpackungen in hoher Wirkstärke zu verordnen. Das steht im Gegensatz zu einer individuellen, auf den einzelnen Patienten bezogenen medizinisch und ökonomisch begründbaren Arzneitherapie. Für multimorbide alte Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sind höhere Dosen gefährlich. Zusätzlich ist die häufig empfohlene Tablettenteilung von hochdosierten Medikamenten gerade für Hochbetagte oft unmöglich.

Bei der Einstellung von Herzinsuffizienzpatienten beispielsweise ist eine langsame Hochtitrierung niedriger Dosen leitliniengerecht.

In einer Malus-Regelung dafür bestraft zu werden, eine adäquate Arzneitherapie zu verordnen und darüber hinaus auch wirtschaftliche Aspekte zu vernachlässigen, ist inakzeptabel.

In einer Bonus-Regelung bei willfähiger Verordnungsweise finanziellen Vorteil zu gewinnen, ist andererseits berufsrechtlich fragwürdig.

Eine staatlich regulierte Zuteilungsmedizin ohne wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergrund ist abzulehnen. Sie beeinträchtigt die Therapiefreiheit und bedroht die Patietensicherheit. Der Deutsche Ärztetag fordert vom Gesetzgeber, die Bonus-Malus-Regelung sehr kurzfristig abzuschaffen.