2. Kliniken sind keine Warenhäuser

Auf Antrag von Dr. Schwarzkopf-Steinhauser, Frau Dr. C. Lutz und Dr. Pickerodt (Drucksache V-18) fasst der 110. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Kliniken sind keine Warenhäuser

Seit Jahren sieht der Deutsche Ärztetag mit großer Sorge die Entwicklung in den deutschen Krankenhäusern. Der Wettbewerb untereinander und die Positionierung in einem Anbietermarkt führen zu zunehmenden Verschlechterungen sowohl für die Patienten als auch für die Beschäftigten in den Krankenhäusern und nicht zu einer besseren Gesundheit.

  • Der Wettbewerb um die niedrigsten Kosten führt bei steigenden Fallzahlen, verkürzter Liegedauer und sinkenden Beschäftigungszahlen zu einer Arbeitsverdichtung und erhöhter Ausbeutung der Arbeitskraft der Beschäftigten im Krankenhaus.
  • Die notwendige Zuwendung für eine menschliche Patientenversorgung und die Umsetzung von geforderten Standards, wie z. B. Hygienemaßnahmen können unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht immer gewährleistet werden.
  • Die ständig zunehmende Bürokratie verhindert die Ausübung der eigentlichen ärztlichen Tätigkeiten an und mit den Patienten.
  • Die Finanzierung über Fallpauschalen stellt zudem für die Klinikbetreiber einen Anreiz dar, die ärztliche Weiterbildung einzuschränken.
  • Das Fehlen einer angemessenen Bezahlung hat den zu beobachtenden Exodus von Ärztinnen und Ärzten ins Ausland zur Folge und demotiviert die Dagebliebenen. Diese Demotivierung wird durch eine Personalstruktur mit spitzer Hierarchiepyramide verstärkt, gegen die sich der Deutsche Ärztetag seit 1972 ausspricht.
  • Durch "opt-out“-Regelungen werden für die Ärzte und Patienten positive Ansätze des Arbeitszeitgesetzes ausgehebelt.
  • Unter den unternehmerischen Prinzipien von Effizienz und Profitmaximierung leiden nicht nur die Patienten, die keine Kunden, sondern auch die Beschäftigten, die keine Anbieter auf dem Warenmarkt sind.
  • Gesunde Bilanzen der Klinikbetreiber führen nicht zu einer gesunden Population.

Zuwendung zu den Patienten muss wieder im Mittelpunkt der ärztlichen Tätigkeit im Krankenhaus stehen.