2. Häusliche Pflege vor stationärer Pflege

Der Entschließungsantrag von Herrn Dr. med. Junker (Drucksache II - 02) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Häusliche Pflege vor Pflegeheim

Die Pflege und ihre finanzielle Ausstattung über die Pflegeversicherung wird aufgrund vieler Faktoren, besonders aber der demographischen Entwicklung, zu einem zweiten, großen Problem neben dem Gesundheitswesen. Dieselben Fehler und Unzulänglichkeiten wie im derzeitigen Gesundheitsreform-"Un“-Wesen darf es hier aber nicht geben.

Ein wesentlicher Teil der Pflege könnte bei Bereitstellung entsprechender Ressourcen über die häusliche Pflege abgedeckt werden. Dies ist nicht nur bei Weitem humaner, sondern auch aus psychosozialer wie auch medizinischer Sicht unbedingt von Vorteil. Sicher über die Hälfte aller Pflegefälle könnten nach den Erfahrungen aus der Praxis zu Hause, „in den eigenen vier Wänden“, versorgt werden.

Es gibt so gut wie keine Probleme mit der hauswirtschaftlichen Versorgung und mit der Behandlungs- und Körperpflege, wohl aber bei dem kostbarsten Gut: Zuwendung, menschliche Wärme und Gesellschaft.

Deshalb müssen Lösungen gesucht werden, wie pflegebedürftigen Menschen diese Zuwendung - ähnlich dem Beruf der „Gesellschafterin“ vor 100 Jahren - zuteilwerden kann.

Damit wären die Pflegekassen wesentlich entlastet, Arbeitslose hätten einen neuen Beruf. Pflegebedürftigen Menschen aber insbesondere wäre der Weg ins „Pflege-Ghetto“ erspart, sie könnten in Würde, in der eigenen Wohnung, ihr Lebensende erleben!

Für die Vorbereitung zu einer solchen Aufgabe wären für die „GesellschafterInnen“ nur geringe Schulungs-/Vorbereitungs-Investitionen erforderlich.

Der Deutsche Ärztetag fordert daher: Die Politik muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Pflegeleistungen zu Hause auch von Deutschen unter vernünftigen finanziellen Bedingungen erbracht werden können.

Begründung:
Bereits jetzt gibt es eine Vielzahl von guten, intelligenten und humanen Lösungen für die Zeit, in der es im menschlichen Leben zur Notwendigkeit der Fremdhilfe kommt, dem Alter. Wohngemeinschaften, Fremdpersonen (z. B. aus Polen) im eigenen Haus, Nachbarschaftshilfe und vieles mehr wird zunehmend organisiert, um eine Aufnahme ins Pflegeheim zu ersparen. Oft ist auch nach akuten Pflegesituationen, die aber eine Pflege rund um die Uhr notwendig macht, wieder eine Selbstständigkeit für einige Zeit gegeben. Es ist aber dem Organisationsgeschick von Familienangehörigen oder wenigen sonstigen Menschen überlassen, solche Situationen abzufangen. Meist ist eine Aufnahme ins Pflegeheim allein wegen der akuten Notsituationen erforderlich, wovon es dann kein Zurück mehr gibt.

Organisierte „Gesellschaft“, über staatliche Stellen oder karitative Einrichtungen vermittelt, die auch die Qualitätsüberwachung vornehmen, würde nicht nur viele „Schicksale“ im Pflegeheim vermeiden helfen, sondern könnte auch viele Arbeitslose aus ihrem deprimierenden Schicksal herauslösen. Da zudem die Entlohnung nicht im Hochlohnbereich erfolgt, wäre vielfach das Pflegegeld dann dafür sogar ausreichend. Viele Beispiele belegen das bereits.

Hohe Einsparungen der Kommunen würden die steuerlichen Aufwendungen bei Weitem kompensieren.