14. Integrität des ärztlichen Berufsbilds bei Delegation bewahren

Auf Antrag von Herrn Dr. med. Jaeger und Frau Dr. med. de Mattia (Drucksache III - 17) fasst der 111. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der Deutsche Ärztetag fordert, dass bei der Diskussion über die Delegationsfähigkeit von ärztlichen Leistungen an nichtärztliches Personal die Vielschichtigkeit der ärztlichen Heilkunde verstärkt Beachtung findet. Insbesondere gehört hierzu auch die Sicherung der Aus- und Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses, kontinuierliches Training erlernter Fähigkeiten, sowie die Fortentwicklung der Profession durch Forschung und Lehre.

Begründung:

Das akademische Berufsbild Arzt/Ärztin ist weit mehr als die Summe der üblicherweise damit assoziierten Tätigkeiten, deshalb ist es bedenklich, wenn man einzelne Tätigkeiten isoliert betrachten und an andere Berufsgruppen delegieren möchte: Operieren bedeutet mehr als „Bauch aufschneiden und zunähen“, Endoskopieren mehr als „einen Schlauch in eine Körperöffnung stecken“, hausärztliches Handeln mehr als „Pillen verschreiben“! In einem mittlerweile seit mehreren Jahrhunderten fortdauernden Entwicklungsprozess hat sich herauskristallisiert, was an persönlicher Eignung, Fertigkeiten und Fachwissen erforderlich ist, um eine bestmögliche Qualifikation zur Ausübung der ärztlichen Heilkunst zu erlangen. Aus diesen Erkenntnissen wurde folgerichtig das Hochschulstudium der Medizin entwickelt und, darauf aufbauend, die anschließende Spezialisierung in den unterschiedlichen Fachdisziplinen. Hierbei werden Elemente wie Verantwortlichkeit, Führungs- und Entscheidungskompetenz, wissenschaftlicher Ansatz und Diskurs mit Nachbardisziplinen, Forschung und Lehre, berufsspezifische Sozialisation, Abstraktionsvermögen, Umgang mit schicksalhaften Verläufen und Fehlentscheidungen u. v. m. vermittelt und trainiert. Diese Fähigkeiten sind erforderlich, um jederzeit Entscheidungen im Sinne der anvertrauten Patienten treffen und verantworten zu können, auch wenn im Einzelfall etablierte Standards verlassen oder modifiziert werden müssen. Schwierige Situationen können nur durch fortwährendes Training von Standardsituationen bewältigt werden. Soll die hohe Qualität der ärztlichen Heilkunde und mithin der Krankenversorgung erhalten bleiben, so dürfen die hierzu erforderlichen Erkenntnisse und Fähigkeiten nicht unreflektiert abgegeben werden, schon gar nicht um politische Programme oder kurzfristige Interessenslagen zu bedienen, die die langfristigen Konsequenzen nicht berücksichtigen!