6. Kostenaspekte bei Delegation ärztlicher Tätigkeiten

Auf Antrag von Herrn Dr. med. Jaeger, Frau Dr. med. de Mattia und Frau Dr. med. Hell (Drucksache III - 08) fasst der 111. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der Deutsche Ärztetag ruft alle in diesem Bereich verantwortlich Handelnden dazu auf, bei der Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal nicht primär unter Kostenaspekten zu entscheiden.

Die Aufgaben im Gesundheitswesen dürfen sich nicht allein unter standespolitischen Gesichtspunkten definieren, sondern sollen sich an Qualifikationen, basierend auf adäquater Aus- und Weiterbildung, orientieren. Delegation kann nur Hinzuziehen bedeuten, da nur der Arzt Heilkunde ausüben darf.

Es gibt unveräußerliche Kernkompetenzen, die in ärztlicher Hand liegen müssen. Bereits jetzt werden zum Beispiel Thorakotomien, Venenentnahmen und Medikamentenverordnung an nichtärztliches Personal delegiert. Dass es hierbei zu einer dauerhaften Kostenersparnis im Gesundheitswesen käme, ist ein Trugschluss, es wird nur ein kurzfristiger Wettbewerbsvorteil eines „Anbieters“ gegenüber der Konkurrenz erreicht.

Begründung:

Entgegen der Annahme vieler Gesundheitspolitiker wird die Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal nicht zu einer Eindämmung der Kosten im Gesundheitswesen beitragen. Sowohl ein Blick ins Ausland als auch auf die Vergütungssituation von hierzulande eingesetzten OP-Helfern in der Herzchirurgie zeigt, dass nichtärztliches Personal mit Spezialkenntnissen auch ein hohes Gehalt bezieht, vergleichbar mit jungen Ärztinnen und Ärzten. Das Einsparpotential ist also als gering einzuordnen. Hinzu kommt, dass bei der Entscheidung über Behandlungsalternativen Kostenaspekte nur von umfassend aus- bzw. weitergebildeten Ärztinnen und Ärzten sinnvoll eingebracht werden können. Dazu sind fachübergreifende Kenntnisse und ein breites therapeutisches Spektrum erforderlich.