1. Handlungskonzept zur Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin

Auf Antrag des Vorstands der Bundesärztekammer (Drucksache VI - 05) fasst der 111. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 110. Deutsche Ärztetag 2007 hatte flankierende Maßnahmen zur Verbesserung der Weiterbildungssituation zukünftiger Hausärzte beschlossen sowie den Auftrag an die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Vertreter des Deutschen Hausärzteverbandes e. V. und weitere betroffene Organisationen in Kooperation mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) erteilt, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln.

Eine vom Vorstand der Bundesärztekammer eingesetzte Arbeitsgruppe - bestehend aus Vertretern von Bundesärztekammer und Landesärztekammern, KBV und Deutscher Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V. (DEGAM) sowie Deutschem Hausärzteverband e. V. - hat daher ein „Handlungskonzept zur Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin“ erstellt. Dieses entwickelt aus der Analyse der derzeitigen und vor allem der zukünftigen Versorgungssituation im hausärztlichen Sektor heraus Empfehlungen zu folgenden Schwerpunkten:

  • Organisation und inhaltliche Ausgestaltung integrativer Weiterbildungskonzepte, insbesondere der Verbundweiterbildung für den Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin
  • Aufstockung, Verteilung und zielgenauer Einsatz der Fördermittel
  • Aufgabenzuschreibungen an die Beteiligten (Weiterbilder, Selbstverwaltung, Politik, Koordinatoren, Tutoren…)

Das Handlungskonzept benennt darüber hinaus weitere zu beteiligende Organisationen, beschreibt das politische Ziel - nämlich die Gewinnung von ausreichend hausärztlichem Nachwuchs - und die notwendige Evaluation des neu zu gestaltenden Förderprogramms.

Es dient darüber hinaus als Grundlage für zeitnahe Gespräche zur Realisierung der konkretisierten Handlungsoptionen mit dem Bundesministerium für Gesundheit, den Ländern, den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenhausgesellschaften.

Der 111. Deutsche Ärztetag 2008 begrüßt die vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen und fordert die Landesärztekammern auf, unverzüglich mit deren Realisierung zu beginnen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wird gebeten, sich aktiv an der Verbesserung der Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin zu beteiligen und entsprechende Maßnahmen im stationären Bereich zu unterstützen.

Der 111. Deutsche Ärztetag 2008 fordert Politik und Krankenkassenverbände auf, noch in dieser Legislaturperiode zu gewährleisten, dass

  • eine tarifgerechte Vergütung der in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte auch im ambulanten Bereich garantiert wird sowie
  • die Kosten für die Begleitung des Förderprogramms durch Koordinierungsstellen, Tutoren usw. gedeckt werden.

Die Länderbehörden (Landesministerien, Kreisverwaltungsbehörden und Kommunen) werden aufgefordert, insbesondere in hausärztlich unterversorgten Regionen durch finanzielle Anreize die Weiterbildungsverbünde vor Ort zu unterstützen.

Begründung:

In den nächsten zehn Jahren scheiden aus Altersgründen bundesweit ca. 42 % (in den Neuen Bundesländern bis zu 50 %) der derzeit tätigen Hausärzte aus dem Berufsleben aus.

Eine Steigerung der heutigen Absolventenzahl der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin kann nur erreicht werden durch:

  • Werbung für das Berufsbild bereits bei den Studierenden
  • Förderung und Erleichterung der Weiterbildung durch ein vorab festgelegtes Curriculum
  • Erhöhung der Fördergelder um insbesondere die Bezahlung im ambulanten Bereich der im stationären Bereich anzupassen
  • Anreize zur Niederlassung (Anschubfinanzierung, Umsatzgarantie, etc.)
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen hausärztlicher Tätigkeit

Nur dadurch kann eine quantitative und qualitativ gewünschte hochwertige hausärztliche Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Die ärztliche Selbstverwaltung muss hier durch die Umsetzung o. g. Handlungsempfehlungen einen entscheidenden Beitrag leisten.