8. Freiberuflichkeit des Arztes ist das Privileg des Patienten

Der Antrag von Herrn Dr. Jonitz und Herrn Dr. Wyrwich (Drucksache III – 08) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Die Freiberuflichkeit der Ärztinnen und Ärzte ist die Grundvoraussetzung für die bedingungslose, durch keine Interessen Dritter gestörte Zuwendung zum Patienten.

Sie ist Garant für die Übernahme der persönlichen Verantwortung für die Behandlung und Betreuung kranker Menschen.

Wer die Freiberuflichkeit der Ärztinnen und Ärzte in Frage stellt, gefährdet die Vertrauensbasis der Arzt-Patienten-Beziehung, die Motivation der Gesundheits­berufe und fördert Misstrauen und bürokratische Kontrolle.

Die Freiberuflichkeit der Ärztinnen und Ärzte ist kein Selbstzweck, sondern das Privileg der Patienten.

Die Freiberuflichkeit ist von der Rechtsform der ärztlichen Tätigkeit unabhängig.

Der „freie Beruf“ ist konkreter Ausdruck der Freiberuflichkeit. Neben der klaren, unmittelbaren persönlichen Verantwortlichkeit der Ärztinnen und Ärzte in freier Praxis mit einer engen Arzt-Patienten-Beziehung stiften freie Berufe erheblichen ökonomischen und sozialen Nutzen für die Allgemeinheit:

  • Ärztinnen und Ärzte in freier Praxis schaffen Arbeitsplätze in der Region.
  • Es handelt sich in der Regel um Arbeitsplätze für Frauen, oft in familienfreundlicher Teilzeit.
  • Zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht eine tiefe Bindung, Stellenabbau oder Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland sind selten respektive nicht möglich.
  • Steuern und Abgaben werden vor Ort bezahlt.
  • Der konkrete Nutzen entsteht ebenfalls vor Ort, bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Dieses Privileg muss verteidigt und kontinuierlich neu errungen werden.

Politik und Gesellschaft werden aufgefordert, die Freiberuflichkeit im Sinne einer bedingungslosen und vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung zu bewahren.

Ärztliche Verbände und Institutionen werden aufgefordert, den Wert der ärztlichen Arbeit, positive Inhalte und Nutzen in geeigneter Form (Qualitätsberichte, Fall­beispiele, „Tag der guten Botschaft“) darzulegen und damit die Akzeptanz zu erhöhen.

Patientenverbände werden aufgefordert, die zunehmende Fremdbestimmung der Arzt-Patienten-Beziehung als Gefährdung zu erkennen und die Ärzteschaft bei der Verteidigung der Freiberuflichkeit zu unterstützen.