3. Bologna-Prozess für das Medizinstudium stoppen

Auf Antrag von Frau Dr. Johna, Herrn PD Dr. Scholz, Herrn Henke, Herrn Dr. Botzlar, Herrn Dr. Emminger, Herrn Dr. Gehle und Herrn Dr. Ungemach (Drucksache VIII – 51) fasst der 112. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 112. Deutsche Ärztetag fordert den Gesetzgeber auf, die Planung und Umsetzung der Umstellung des Medizinstudiums auf das zweistufige Bachelor /Masterstudiensystem unverzüglich zu stoppen.

Das Ziel der Bologna-Deklaration einer Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraums ist mit einer Umstellung von 75 Prozent der Studiengänge (9.200 von 12.300) auf einen BA-/MA-Abschluss in Deutschland erfolgreich umgesetzt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen ist jedoch für Ärzte bereits durch die EU-Richtlinie 93/16/EWG eine gegenseitige Anerkennung der Studien­abschlüsse geregelt. Hier sind für alle 25 EU-Staaten mindestens 5.500 Stunden verbindlich festgelegt.

Ein künstliches und unnötiges Überstülpen des zweigliedrigen Systems auf das Medizinstudium führt ausschließlich zu Nachteilen für alle Beteiligten:

  1. Ein Drei-Jahres-Medizinbachelor-Absolvent findet im ärztlichen Bereich kein Berufsbild.
  2. Der hohe Qualitätsstandard, der von der Gesellschaft zu Recht von der Ausbildung zum Arzt erwartet wird, ist durch eine sechs- oder achtsemestrige Bachelorausbildung nicht zu gewährleisten.
  3. Ein Bachelorabsolvent hat lediglich den Abschluss an einer Universität und kein Staatsexamen vorzuweisen, was dazu führen kann, dass Universitäten einen als "Undergraduate" bewerteten Bachelorabsolventen nicht zum Masterstudiengang zulassen müssen.
  4. Die Aufteilung in ein zweistufiges Studiensystem fußt auf dem Verständnis, dass man ein berufsfeldbezogenes und ein wissenschaftliches Studium nacheinander absolvieren kann. Dies konterkariert aber die deutsche Approbationsordnung, deren Ziel es ist, ab dem ersten Semester eine tiefgreifende Verzahnung von theoretischen Grundlagen und klinischer Anwendung zu erreichen.