1. Arzneimitteltherapiesicherheit: Hochwertige neutrale Informationen zu Risiken von Arzneimitteln in Deutschland. Kennzeichnung neuer Arzneimittel

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VIII – 02) unter Berücksichtigung der Anträge von Frau Dr. Mahn, Herrn Dr. Ramm und Frau Dr. Clever (Drucksache VIII – 02a) und von Herrn Dr. Jonitz (Drucksache VIII – 02b) fasst der 112. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 112. Deutsche Ärztetag begrüßt die im Aktionsplan 2008/2009 des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland vorgesehe­nen Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs für Ärzte zu Informationen über Arzneimittel. Für die Gewährleistung einer sicheren Arzneimitteltherapie ist es wichtig, dass neben ausreichenden personellen Ressourcen Zugang zu aktuellen Informationen über Risiken und Nebenwirkungen der Arzneimitteltherapie ge­schaffen wird.

Das Vorhandensein von qualifizierten und neutralen Informationen zum Zeitpunkt der Verordnung im Sinne einer rationalen und risikoarmen Therapie ist von hoher Bedeutung für den verordnenden Arzt. Notwendige Informationen zum Verordnungszeitpunkt sind Informationen über die Anpassung der Dosierung von Arzneimitteln bei multimorbiden Patienten (beispielsweise Patienten mit Nierenfunktionsstörungen), aktuelle Informationen zu unerwünschten Wirkungen sowie die Kennzeichnung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen, deren Spektrum an unerwünschten Wirkungen noch nicht ausreichend bekannt ist. Insbesondere sind die Forschung und Information über mögliche Interaktionen gleichzeitig verordneter Medikamente zu verstärken.

Die Bundesoberbehörden tragen eine besondere Verantwortung, weil an diesen Stellen aktuelle Informationen sowohl über die Zulassung als auch über neu beobachtete unerwünschte Wirkungen eines Arzneimittels zusammenlaufen. In Deutschland wurde – insbesondere über die Einrichtung von Pharmakovigilanz­zentren – eine Verbesserung des verfügbaren Wissens zu neuen Arzneimittelrisiken erreicht. Dennoch müssen Ärzte die vorhandenen Informationen mit hohem Zeitaufwand recherchieren. Dies ist angesichts einer immer höheren Arbeitsverdichtung in der Medizin kaum mehr leistbar. Es ist daher erforderlich, weitere Verbesserungen hinsichtlich des Zugangs und der Strukturierung der angebotenen Informationen für Ärzte zu erreichen. Die angebotenen Informationen müssen u. a. inhaltlich vollständig, fachlich valide, zeitlich aktuell, jederzeit verfügbar und einfach zugänglich sein. Um einen einfachen Zugang für Fachkreise zu gewährleisten und diese zu unterstützen, sollte auch darauf Wert gelegt werden, Informationen über Arzneimittel aus verschiedenen Quellen miteinander zu vernetzen und in übersichtlicher Form zu präsentieren.

In Großbritannien, Australien, Kanada und den USA werden von den dafür zuständigen staatlichen Organisationen regelmäßige Bulletins zu aktuellen Risikoentwicklungen herausgegeben.

Der Deutsche Ärztetag fordert das BMG auf, der Ärzteschaft einen kostenfreien, einheitlichen Zugang zu Informationen hinsichtlich der Risiken der Arzneimittel­therapie zur Verfügung zu stellen. Neue Arzneimittel sollten eine für den Arzt und den Patienten sichtbare Kennzeichnung erhalten.