1. Risikofaktoren für eine ungünstige Kindesentwicklung frühzeitig erkennen

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VIII – 25) fasst der 112. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Die Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher steigt kontinuierlich an, viele Kinder und Jugendliche leiden unter Bewegungsarmut oder Fehlernährung, sie sind von klein auf Tabakrauch ausgesetzt oder psychisch belastet. Mit den Risikofaktoren wächst auch die Gefahr, frühzeitig chronische Krankheiten zu entwickeln, die nicht nur die individuelle Lebensqualität einschränken, sondern auch das Gesundheitswesen insgesamt belasten. Schon jetzt ist eine deutliche Zunahme der Zahl der Kinder und Jugendlichen mit mehreren chronisch verlaufenden Krankheiten festzustellen.

Die Kinderuntersuchungen nach § 26 SGB V bieten grundsätzlich eine gute Möglichkeit, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, Eltern hinsichtlich ihrer Überwindung zu beraten und angemessene gesundheitsfördernde Maßnahmen durch den Arzt einzuleiten.

In ihrer geltenden Fassung liegt der Fokus der Kinderuntersuchungen jedoch darauf, Krankheiten, die die körperliche oder geistige Entwicklung von Kindern erheblich gefährden können, zu erkennen. Risikofaktoren, die zur Entstehung chronischer Krankheiten beitragen, sind hingegen bislang kein zentraler Untersuchungsgegenstand.

Deshalb fordert der 112. Deutsche Ärztetag den Gesetzgeber sowie den Gemeinsamen Bundesausschuss auf, § 26 SGB V und die dazugehörigen Kinder-Richtlinien dahingehend zu überarbeiten, dass die Identifikation und Beratung von Bewegungs- und Ernährungsmängeln, Belastungen durch Passivrauchen sowie psychische und psychosomatische Belastungen ein zentraler Bestandteil der Kinderuntersuchungen werden.