1. Weiterentwicklung zu einer sektorenübergreifenden und populationsbezogenen Qualitätssicherung

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VIII – 05) fasst der 112. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der 112. Deutsche Ärztetag hält die Weiterentwicklung der externen vergleichenden Qualitätssicherung in Richtung eines sektorenübergreifenden Verfahrens für zweckmäßig und wünschenswert. Ohne Überwindung der sektoralen Grenzen sind nur begrenzte Aussagen über die medizinische Ergebnisqualität möglich.

Anders als von den gesetzlichen Krankenkassen gewünscht und derzeit beim Gemeinsamen Bundesausschuss diskutiert, darf sich das Hauptaugenmerk der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung nicht auf Ergebnisvergleiche zwischen Krankenhäusern und Arztpraxen beschränken. Durch solche punktuellen transsektoralen Ergebnisvergleiche lässt sich zwar eine Marktsteuerung und damit auch eine gewisse Marktbereinigung erreichen, zentrale Fragen zur populationsbezogenen Versorgungsqualität und zur Sicherstellung der Versorgung in der Fläche bleiben dabei jedoch unbeantwortet.

Die sektorenübergreifende – oder besser: populationsbezogene – Qualitätssicherung soll im Interesse einer wahrhaft patientenzentrierten Betrachtungsweise die Schnittstellenprobleme in der Versorgungskette fokussieren. Dabei wird zu beachten sein, dass die Zuschreibbarkeit von Bewertungsergebnissen innerhalb einer Versorgungskette erhöhte methodische Anforderungen stellen wird. Hier darf es nicht zu Unklarheiten bezüglich der Verantwortung kommen. Notwendig ist eine verbesserte Kommunikationsfähigkeit aller Akteure, aber auch über sektorenübergreifende Anreizsysteme sollte nachgedacht werden.

In Anbetracht von Wettbewerbs- und Zentralisierungsdruck ist es außerdem sinnvoll, ein Indikatorenset zu entwickeln, das ein Monitoring der Versorgungsqualität in der Region erlaubt. Dieses sollte auch den Zugang für Patienten zur Versorgung beinhalten, so dass Aussagen zur wohnortnahen Versorgung in der Fläche möglich sind, was vor dem Hintergrund der Zentrumsbildungen im Krankenhausbereich einerseits und der Ausdünnung fachärztlich-ambulanter Versorgung im ländlichen Bereich zunehmend notwendig sein wird.

Der Deutsche Ärztetag befürwortet die Weiterentwicklung der externen vergleichenden Qualitätssicherung zu einer sektorenübergreifenden und populationsbezogenen Qualitätssicherung und bittet die Bundesärztekammer um die Ausarbeitung eines entsprechenden Konzepts.