5. Clearing von Zertifizierungswildwuchs

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VIII – 09) fasst der 112. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Zertifizierungen im Krankenhausbereich versprechen Qualität und sollen Vertrauen erzeugen. Aus Sicht der Patienten bedeutet dies vor allem hohe Ergebnisqualität, Eingehen auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse und die Beachtung von Lebensqualität. Auch die Kostenträger haben Erwartungen an Zertifizierungen, hier geht es jedoch eher um Grundlagen für Vertragsgestaltungen, Preise und Einkaufsmodelle. Die Bedeutung von Zertifikaten der Krankenhäuser wird aus Perspektive einweisender Ärzte wiederum anders wahrgenommen. Hier steht ein gutes Verhältnis im Sinne einer kooperativen Zusammenarbeit mit den Kliniken im Vordergrund, deren Zertifizierungen werden nicht selten als nachrangig wahrgenommen.

Diesen Wünschen und Erwartungen steht eine zunehmende Vielfalt von Zertifizierungen gegenüber, insbesondere Zertifizierungen sogenannter „Zentren“. Dabei bleibt oft unklar, was genau sich hinter einem zertifizierten „Schmerzzentrum“, „Darmzentrum“ oder auch „Brustzentrum“ verbirgt. Insbesondere den Patienten bleibt der Wert solcher Zertifizierungen oft verborgen, vor allem, wenn der Einblick in die Kriterien der Zertifizierung nicht transparent ist oder zu deren Verständnis differenzierte fachspezifische und methodische Kenntnisse notwendig sind.

Der Deutsche Ärztetag fordert daher die Erstellung valider, systematischer und reproduzierbarer Zertifizierungskriterien, mit denen es möglich ist, die diversen Zertifizierungskonzepte einer einheitlichen Bewertung zu unterziehen (Clearing). Notwendig sind sichere Beantwortungsmöglichkeiten der Frage, woran ein „gutes Zentrum“ zu erkennen ist. Idealerweise liegt diese Aufgabe bei den Ärztekammern als neutrale, von Interessenkonflikten freie Einrichtungen. Der Deutsche Ärztetag bittet die Bundesärztekammer, ein Clearingkonzept für Zentrumszertifizierungen auszuarbeiten.