Zu Punkt II der Tagesordnung: Versorgungsforschung

5. Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf wissenschaftliche Ergebnisse und Publikationen

Auf Antrag von Herrn Dr. Joas, Herrn Dr. Lutz, Herrn Dr. Krombholz, Herrn Dr. Kofler und Herrn Dr. Fresenius (Drucksache II - 06) fasst der 113. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Aufgrund der Ergebnisse der Expertisen zum Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf die wissenschaftlichen Ergebnisse und die Publikation von Arzneimittelstudien, vorgelegt von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (Prof. Dr. Wolf Ludwig, Prof. Dr. Klaus Lieb) am 01.12.2008, fordert der 113. Deutsche Ärztetag eine Arzneimittelforschung, die sich schrittweise befreit von den Einflüssen der pharmazeutischen Industrie. Dazu müssen die Forschungsmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entsprechend aufgestockt werden.

Der 110. Deutsche Ärztetag hat 2007 eine Expertise in Auftrag gegeben, die den „Einfluss der pharmazeutischen Industrie auf die wissenschaftlichen Ergebnisse und die Publikation von Arzneimittelstudien“ untersuchen sollte. Am 01.12.2008 hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (Vorsitzender: Prof. Dr. Ludwig) das Ergebnis dieser 38-seitigen Studie vorgelegt und auf dem Deutschen Ärztetag 2009 in Mainz vorgestellt.

Im Fazit (Seite 23) kommt die Expertise zum Ergebnis: „Publizierte Arzneimittelstudien, die von pharmazeutischen Unternehmen finanziert werden oder bei denen ein Autor einen finanziellen Interessenskonflikt hat, haben häufiger ein für das pharmazeutische Unternehmen günstiges Ergebnis als aus anderen Quellen finanzierte Studien.“ Die Studienergebnisse von Prof. Ludwig und Prof. Lieb wurden im Deutschen Ärzteblatt Nr. 16 und 17 am 23. und 30.04.2010 publiziert und haben entsprechende Medienresonanz erfahren.

Nachdem diese Studienergebnisse die Basis für die Leitlinienerstellung der ärztlichen Therapie darstellen und zugleich maßgebend sind für die Arzneimittelzulassung, ist eine Förderung unabhängiger Studien unumgänglich.