Zu Punkt V der Tagesordnung: Tätigkeitsbericht der Bundesärztekammer

6. Entwicklung einer nationalen Strategie gegen Hepatitis-C

Auf Antrag von Herrn Dr. Lorenzen (Drucksache V - 113) fasst der 113. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Die Bundesregierung möge eine Expertenkommission zur „Entwicklung einer nationalen Hepatitis-C-Virus (HCV) Strategie“ einsetzen.

Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am 19. Mai fordert der Ärztetag gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Hepatitis und Drogengebrauch die Bundesregierung auf, bundesweite zielgruppenspezifische Kampagnen zu initiieren, um über die Übertragungswege aufzuklären und die Impfquote bei Risikogruppen zu erhöhen.

Anders als viele unserer europäischen Nachbarn verfügt Deutschland nicht über ein nationales Strategiepapier oder einen Aktionsplan zum Thema Hepatitis.

Die Erfahrungen beim Thema HIV/AIDS zeigen, dass über einen Aktionsplan und die Einbeziehung von Fachleuten aus Medizin, Wissenschaft und Praxis sowie von Betroffenen Erfolge in der Prävention und Behandlung von Infektionserkrankungen zu erzielen sind.

In Deutschland ist ca. eine Million Menschen von Hepatitis B und C betroffen. Da viele Menschen keine Kenntnis von ihrer Infektion haben, wird die Dunkelziffer wesentlich höher eingeschätzt.

Hepatitis-B- und C-Infektionen werden als stille Epidemie bezeichnet, da sie vielfach symptomlos verlaufen und Betroffene erst in einem späteren Stadium von ihrer Infektion erfahren.

Drogenkonsumenten sind eine der Hauptbetroffenengruppe von Hepatitis-B- und ‑C-Infektionen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bis zu 80 % der intravenös Drogen Konsumierenden von Hepatitis-C-Infektionen betroffen sind.

Die Erfolgsraten der Interferonbehandlung bei Substituierten sind mit ca. 65 % ebenso hoch wie bei Nichtopiatabhängigen. Dennoch ist die Quote der Interferonbehandlungen bei chronisch HCV-infizierten Drogenkonsumenten mit etwa 10 % deutlich zu gering.

Wir fordern ferner ein verstärktes Engagement in der Prävention von Hepatitis-A- und ‑B-Infektionen. Durch praxisnahe Impfkampagnen können diese verhindert werden.

Das Aktionsbündnis ist ein offenes politisches Forum, das (fach-)politische Lobbyarbeit zum Thema „Hepatitis und Drogengebrauch“ macht.

Ziel und Aufgabe des Aktionsbündnisses ist es, die Bedeutung und Auswirkungen von Hepatitisinfektionen, insbesondere der Hepatitis C, auf die Gruppe der Drogenkonsumenten und unser Gesundheitswesen insgesamt deutlich zu machen.