Zu Punkt V der Tagesordnung: Tätigkeitsbericht der Bundesärztekammer

1. Grundlagen für die Bedarfsplanung im ambulanten und stationären Sektor verbessern

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache V - 14) fasst der 113. Deutsche Ärztetag folgende Entschließung:

Der Deutsche Ärztetag fordert das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf, im Rahmen der vorgesehenen Förderung der Versorgungsforschung im Gesundheitswesen – siehe Bekanntmachung vom 28.01.2010 – auch Vorhaben zu fördern, die eine bessere Grundlage für die Ermittlung des Bedarfs an Gesundheitseinrichtungen im ambulanten und stationären Bereich sowie für Rehabilitation und Pflege schaffen.

Das zentrale Maß für die Bedarfsplanung im ambulanten Sektor ist die Relation von Ärzten – unterteilt nach Fachgebieten – zu der Gesamtzahl der Einwohner. Dieses Maß ist aber nicht empirisch im Sinne eines Bedarfs an Versorgung mit bestimmten ärztlichen Leistungen ermittelt, sondern eine in den 1970er Jahren rein rechnerisch gebildete Relation der damaligen Anzahl von Ärzten in den einzelnen Fachgebieten zur Gesamtbevölkerung. Die Verhältniszahlen, die sich daraus ergeben haben, gelten bis heute als Ausgangspunkt für eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit Ärzten. Es haben lediglich Korrekturen bei der Bildung von regionalen Planungsbereichen stattgefunden, bedingt durch Wanderungsbewegungen der Bevölkerung. Einige wenige Forschungsprojekte – so auch im Rahmen der Förderinitiative Versorgungsforschung der Bundesärztekammer initiierte – zeigen schon andere Wege auf. Eine echte prospektive Berechnung des Bedarfs an ärztlichen Leistungen für alle Fachdisziplinen und für das gesamte Bundesgebiet hat bis heute aber nicht stattgefunden.

Der Mangel an echten Planungsgrößen ist auch von der Konferenz der Gesundheitsminister der Länder erkannt. Hier wird ebenfalls die Notwendigkeit gesehen, den Bedarf empirisch zu ermitteln und dabei nicht vor den Grenzen der einzelnen Versorgungssektoren halt zu machen.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aufgelegte Programm zur Förderung der Versorgungsforschung wäre eine gute Gelegenheit zu erheben, welche Folgerungen aus dem demographischen Wandel, aus regionalen Wanderungsbewegungen und aus Verlagerungen von Gesundheitsleistungen zwischen den Versorgungssektoren für eine bedarfsgerechte Ausgestaltung der ambulanten und der stationären Versorgung zu ziehen sind. Für den stationären Bereich wäre es dabei besonders wichtig, die neuen Anforderungen an sektorenübergreifende Versorgung darzustellen sowie Wege aufzuzeigen, mit deren Hilfe von den auch heute oft noch kleinräumige an Landesgrenzen endenden Planungsinstrumenten Abschied genommen werden kann. Dabei sind die Verbindungen im Sinne einer umfassenden sektorenübergreifenden Versorgung zur Pflege und zur Rehabilitation zu knüpfen.

Nur mit einer am tatsächlichen Bedarf orientierten Ausgestaltung der Leistungsebene kann das Gesundheitswesen zukunftsfest gemacht und können die begrenzten Ressourcen zielgerichteter eingesetzt werden.