Beschlussprotokoll des 114. Deutschen Ärztetags vom 31.05.-03.06.2011 in Kiel

VI - 07 Stärkung des Arztes in der Gesundheitsförderung und Früherkennung von Suchterkrankungen

Entschließung

Auf Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer (Drucksache VI - 07) fasst der 114. Deutsche Ärztetag einstimmig folgende Entschließung:

Der niedergelassene Arzt nimmt eine Schlüsselstellung für die gesundheitliche Beratung des Patienten und die Früherkennung gesundheitsschädigender Verhaltensweisen ein. Das bestehende kassenärztliche Honorarsystem bietet bislang jedoch keine bzw. nur unzureichende Anreize, damit der Arzt diese bevölkerungsmedizinisch relevante Rolle wahrnehmen kann.

Der 114. Deutsche Ärztetag spricht sich daher dafür aus, dass ärztliche Beratungsleistungen zur Aufklärung über Krankheitsrisiken und zur Gesundheitsförderung, Leistungen zur Frühintervention bei Patienten mit riskantem Suchtmittelkonsum sowie zur begleitenden Betreuung und Nachsorge Suchtkranker als Einzelleistungen außerhalb der hausärztlichen Versichertenpauschale und der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung honoriert werden.

Begründung:

In Anbetracht demografischer Veränderungen und Änderungen des Krankheitsspektrums ist die wachsende Bedeutung der Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention inzwischen unbestritten. Der Arzt ist für die gesundheitliche Beratung und Begleitung des Patienten zentraler Ansprechpartner. Zudem hat er den besten Zugang zu den gesundheitlich besonders belasteten unteren Sozialschichten. Darüber hinaus kann er durch eine frühe Ansprache Patienten mit riskantem Suchtmittelkonsum zu einer Behandlung motivieren und sie begleitend betreuen. Hierdurch können für das Sozialversicherungssystem hohe Folgekosten eingespart werden.

Der bisherige Bundesgesundheitsminister Dr. Rösler hat wiederholt die Bedeutung des Arztes in der Prävention unterstrichen und eine Honorarreform zur Stärkung der sprechenden Medizin und der Prävention als erforderlich erachtet (siehe z. B. dpa- Interview vom 31.10.2010, Pressemitteilung vom 27.08.2010). Dies gilt es nun in die Tat umzusetzen. Seitens der Ärztekammern sind in den letzten Jahren Curricula und Fortbildungsmaßnahmen erstellt worden, die die ärztliche Qualifikation in den genannten Aufgabenfeldern sicherstellen.