Beschlussprotokoll des 114. Deutschen Ärztetags vom 31.05.-03.06.2011 in Kiel

Anlage zu VI - 01

Konzeption für eine Fortentwicklung der Aktivitäten zur Versorgungsforschung der Bundesärztekammer

I. Die Förderinitiative zur Versorgungsforschung der Bundesärztekammer
- Bilanz nach sechsjähriger Laufzeit

Der 108. Deutsche Ärztetag 2005 hatte die Förderinitiative zur Versorgungsforschung mit dem Ziel eingerichtet, die Ärzteschaft in die Lage zu versetzen, sich auf der Basis belastbarer Daten bzw. wissenschaftlicher Untersuchungen qualifiziert zu gesundheitspolitischen Themen zu äußern und konkrete Lösungen für eine verbesserte Patientenversorgung und ärztliche Berufsausübung aufzuzeigen. Die Förderinitiative sollte damit auch das Ziel verfolgen, die Arbeitszufriedenheit von Ärzten im ambulanten und stationären Sektor zu verbessern.

Der Deutsche Ärztetag hatte mit seinem damaligen Beschluss die Bereitschaft bekundet, sich am Aufbau einer wissenschaftlich fundierten Versorgungsforschung in Deutschland zu beteiligen.

Seit 2005 ist jährlich zu den Deutschen Ärztetagen über die Entwicklung der Förderinitiative sowie die zugehörige Projektförderung berichtet worden. Die jeweiligen Ärztetage haben den Tätigkeitsbericht angenommen. Insbesondere begrüßte der 110. Deutsche Ärztetag 2007 in Münster mit großer Mehrheit den durchführungsadäquaten Fortschritt der Förderinitiative und sprach sich für die Umsetzung der vom Vorstand der Bundesärztekammer vorgelegten thematischen Rahmenorientierung für die zweite Förderphase von 2008/09 bis 2010/11 aus (vgl. DS V-01).

Der Auftrag des 113. Deutschen Ärztetags 2010

Nach fünfjähriger Laufzeit hatte der 113. Deutsche Ärztetag den verschiedenen Programminhalten und Ergebnissen der Förderinitiative einen ½-tägigen Themenschwerpunkt gewidmet und dabei eine umfassende Bilanz zu den geförderten Forschungsvorhaben gezogen. Dieser lag ein umfangreicher Materialien- und Dokumentationsband zugrunde, der die große Themenvielfalt der Förderinitiative Versorgungsforschung widerspiegelt (vgl. Dokumentationsband „Visitenkarten und Publikationshinweise zu den Förderprojekten“).

Als Referenten erstatteten neben, Prof. Dr. med. Dr. h. c. Peter C. Scriba, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, Prof. Dr. rer. biol. hum. Dipl.-Math. H.-K. Selbmann, Mitglied der Ständigen Koordinationsgruppe Versorgungsforschung (SKV) und federführender Gutachter der Leitlinien-Initiative der AWMF sowie Prof. Dr. med. Thomas Mansky, Leiter des Bereichs Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen an der Technischen Universität Berlin, dem Deutschen Ärztetag differenzierte Berichte, die sich wesentlich mit den Schwerpunktthemen der Förderinitiative auseinandersetzten.

Forschungsprojekte zur Versorgungsforschung

Einen instrumentellen Schwerpunkt der Förderinitiative zur Versorgungsforschung bildete die Förderung großer, finanziell umfangreicher Forschungsvorhaben mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren. Die Projektthemen wurden i. d. R. von den Antragstellern auf der Grundlage der durch den Ausschreibungstext vorgegebenen thematischen Eingrenzung vorgenommen. Zwischen Themenfindung, Projektabschluss und Publikation der Projektergebnisse vergingen – wie bei originärer Forschung üblich – in der Regel mehrere Jahre.

Die Reporte Versorgungsforschung

Mit diesen Bänden zur Versorgungsforschung hat die Bundesärztekammer einen Weg gefunden, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen und auch für die Gesundheitspolitik wichtigen Themen umfassend zusammenzutragen und sich auf dieser Basis, gerade auch zu korrespondierenden politischen Fragen, fundiert zu äußern. Grundlage eines jeden Bandes bildete ein vorausgehendes Symposium, in dem die Ergebnisse bereits vollzogener Forschung konzentriert zusammengeführt wurden.

Die erweiterte Dokumentation zu den jeweiligen Themen in Form eines Reports Versorgungsforschung hat insbesondere in den Fachkreisen sehr große Resonanz gefunden. Dies zeigen die lebhafte Teilnahme und Diskussion in den Symposien sowie das
große Interesse an der jeweiligen Buchdokumentation im Anschluss daran.

Beispielhaft sei der besonders viel beachtete Band zu „Arbeitsbedingungen und Befinden von Ärztinnen und Ärzten - Befunde und Interventionen“ genannt.

Expertisen und Literaturreviews

Enger umschriebene konkrete Fragestellungen, zu denen es bereits Ergebnisse wissenschaftlicher Studien gibt, wurden durch Expertisen oder Literaturreviews bearbeitet. Eine durch den Deutschen Ärztetag 2007 in Auftrag gegebene Studie, die auf dem 112. DÄT 2009 vorgestellt wurde und sehr breites Interesse gefunden hat, widmete sich der Betrachtung der „Einflüsse der Auftraggeber auf die wissenschaftlichen Ergebnisse von Arzneimittelstudien“.

Eine Übersicht über die abgeschlossenen und noch in der Durchführung befindlichen Studien findet sich im vorliegenden Bericht.

Darüber hinaus können Informationen zu den von der Bundesärztekammer im Rahmen der Förderinitiative zur Versorgungsforschung geförderten Projekten auf der Homepage unter www.baek.de/versorgungsforschung abgerufen werden.

Der 113. Deutsche Ärztetag 2010 hat aufgrund der positiven Förderbilanz eine Verstetigung grundsätzlich befürwortet und die Bundesärztekammer beauftragt, für den 114. Deutschen Ärztetag eine Konzeption zur Fortentwicklung der Förderinitiative einschließlich
eines Finanzierungsrahmens zu erstellen (vgl. Beschluss (DS II-01)).

Nach Einschätzung der bei der Bundesärztekammer für die Versorgungsforschung Verantwortlichen (insbesondere auch des Vorstands des Wissenschaftlichen Beirats) hat sich der Nutzen der Förderinitiative besonders augenfällig in den themenspezifischen Expertisen sowie den Symposien bzw. Veröffentlichungsreihe „Report Versorgungsforschung“ dokumentiert. Diese zeichnen sich durch eine geeignete Breite der Fragestellungen, die Relevanz für größere Fachkreise haben, sowie durch die Verdichtung relevanter Themenkomplexe auf Erträge der Versorgungsforschung (Themenkondensat) aus.

II. Eckpunkte einer „Initiative Versorgungsforschung“ der Bundesärztekammer

Inhalte und Instrumente

Auf der Grundlage des Beschlusses des 113. DÄT ist eine Fortführung der Befassung der Bundesärztekammer mit Ergebnissen der Versorgungsforschung konzipiert worden. Abweichend vom bisherigen Schwerpunkt der Förderinitiative als Impulsgeberin auch für die originäre Forschungsförderung (bislang sog. Typ I-Projekte), soll der Focus zukünftig auf der Vergabe von Expertisenaufträgen sowie der Durchführung von Symposien mit begleitender Veröffentlichung weiterer Bände des Report Versorgungsforschung liegen. Diese beiden Vorhabentypen können zu jeweils aktuellen Themengegenständen regelmäßig neu genutzt werden.

Bereits gegenwärtig sind – nicht zuletzt auch durch den Deutschen Ärztetag - eine Reihe von Themen bestimmt bzw. vorgemerkt worden, die mit den beiden genannten Projekttypen (Expertisen und Report Versorgungsforschung) realisiert werden könnten.
Beispiele sind:

  • Beobachtung der Auswirkung neuer Versorgungsformen in der zukünftigen Versorgungsforschung (vgl. 113. DÄT DS II-04)
  • ggf. Evaluation der sektorübergreifenden Qualitätssicherung (113. DÄT, DS V-06 Pkt. 7)
  • Evaluierung des Ärztemangels (113. DÄT, DS V-44) sowie „Sicherstellung stationärer Versorgung“ (113. DÄT, DS V-47).
  • Weißbuch zur gesundheitspolitischen und gesundheitsökonomischen Bedeutung und Wirksamkeit von Maßnahmen der 
  • Gesundheitsförderung und Prävention (113. DÄT DS V-68).
  • Work-Life-Balance: Spannungsfeld Arztberuf, -familie, -gesundheit (113. DÄT DS V-90)
  • Suchtprävention und –therapie bei Ärztinnen und Ärzten (113. DÄT DS V-108)
  • AkdÄ-Expertise: „Europaweite Veröffentlichungspflicht klinischer Studien“ (113. DÄT DS V-102).

Finanzrahmen

Der Beschluss des 113. Deutschen Ärztetages sieht vor, dass eine Folgeprogrammatik finanziell an die Möglichkeiten der Bundesärztekammer angepasst und damit enger als bisher (Gesamtmittel in Höhe von jährlich € 750.000,-) ausgestaltet sein soll.

Unter dem Gesichtspunkt des künftigen Versorgungsforschungsbedarfs sowie insbesondere der Berücksichtigung von Zeitnähe und Aktualität, sollten die Projekttypen „Expertisen“ sowie „Report Versorgungsforschung“ beibehalten werden. Vor diesem Hintergrund sind ab dem Geschäftsjahr 2011/2012 unter Berücksichtigung bisheriger Aufwendungen folgende Positionen angesetzt:

  • Für die Durchführung von jährlich durchschnittlich zwei Reports Versorgungsforschung (2 Symposien + 2 Buchveröffentlichungen) werden Projektmittel in Höhe von ca. € 100.000,- veranschlagt.
  • Für die Erstellung von jährlich durchschnittlich 5 – 7 Expertisen werden Projektmittel in Höhe von ca. € 70.000,- veranschlagt.
  • Für Zusammenkünfte einer (gegenüber der jetzigen Ständigen Koordinationsgruppe Versorgungsforschung (SKV) deutlich reduzierten) Sachverständigengruppe(s. u.), sind Mittel in Höhe von max. € 10.000,- jährlich angesetz.

Zur Durchführung und Umsetzung bedarf es Personalmittel in Höhe von einem Drittel der bisherigen Aufwendungen, die im Haushaltsplan unter Pt. 1 ausgewiesen sind.

Organisatorische Anbindung

Die weitgehende Einstellung der originären Forschungsförderung zugunsten einer kontinuierlichen Befassung der Bundesärztekammer mit den Ergebnissen der Versorgungsforschung im Rahmen von Symposien und Expertisen sowie der aus dieser veränderten Schwerpunktsetzung resultierende geringere Aufwand für Begutachtungsverfahren legen eine Überführung der bisherigen Ständigen Koordinationsgruppe Versorgungsforschung (SKV) in einen personell deutlich reduzierten Arbeitskreis Versorgungsforschung (AKVF) nahe.
Eine solche Gruppe von etwa 10 Sachverständigen sollte eng an den Vorstand des Wissenschaftlichen Beirats gebunden sein. Dem Vorstand der Bundesärztekammer wird die von einem solchen Gremium entwickelte Programmatik jeweils zur Billigung vorgelegt.

Umbenennung der bisherigen „Förderinitiative der Bundesärztekammer zur Versorgungsforschung“

Vor dem Hintergrund der veränderten Schwerpunktsetzung wird eine Umbenennung der bisherigen „Förderinitiative der Bundesärztekammer zur Versorgungsforschung“ in „Initiative der Bundesärztekammer zur Versorgungsforschung“ empfohlen.