Beschlussprotokoll des 114. Deutschen Ärztetags vom 31.05.-03.06.2011 in Kiel

VI - 36 Anforderungen an Leitlinien der Fachgesellschaften

Vorstandsüberweisung

Der Beschlussantrag von Frau Dr. Wulff, Frau Bischoff, Herrn Dr. Ramm und Herrn Dr. Harb (Drucksache VI - 36) wird zur weiteren Beratung an den Vorstand der Bundesärztekammer überwiesen:

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) wird aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass in den Leitlinien der Fachgesellschaften zur Symptomatik, Diagnostik, dem Verlauf und der Therapie von Erkrankungen auch der aktuell vorhandene medizinische Kenntnisstand von alters- (z. B. Kinder, Hochaltrige) und geschlechtsspezifischen Aspekten abgebildet wird.

Begründung:

Auf dem Weg zu einer stärker individualisierten Medizin sind auch das Lebensalter und das Geschlecht des Patienten wichtige Parameter bei der ärztlichen Entscheidungsfindung, denn dazu existiert bereits eine Fülle evidenzbasierter wissenschaftlicher Daten, z. B. http://bioinformatics.charite.de

Die biologischen Besonderheiten, z. B. des höheren Lebensalters, sowie die häufig bereits bestehende Pharmakotherapie bei Multimorbidität können zu anderen Konsequenzen der ärztlichen Intervention führen als bei jüngeren Patienten, z. B. durch Berücksichtigung von Arzneimittelinteraktionen oder bereits verändertem Metabolismus durch vorbestehende Nieren- oder Lebererkrankungen oder Bettlägerigkeit und Kachexie.

Bei Studien sind in Zukunft angesichts der demografischen Entwicklung die gesundheitlichen Besonderheiten hochaltriger Patienten stärker zu beachten, analog zur in dieser Hinsicht bereits verbesserten Wahrnehmung in Bezug auf das Kindesalter.

Auch die geschlechtsspezifischen biologischen Unterschiede von Menschen, beispielweise die obligat verschiedene Pharmakogenetik, erfordern verstärkte Berücksichtigung. Das hierzu verfügbare medizinische Wissen muss in die diagnostischen und therapeutischen Standards einfließen, um die Kollegen im täglichen Patientenkontakt für eine flexibel der Lebenssituation des Patienten angepasste Medizin zu sensibilisieren.