Top I: Gesundheits- und Sozialpolitik

Dr. Bühren, Vorstand der Bundesärztekammer:

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir alle fordern von der Gesundheitspolitik, dass wir weiterhin eine qualitativ hochwertige Therapie durchführen können. Dafür müssen jedoch alle Bedingungen stimmen. Wir aber leisten uns an der Schaltstelle zwischen Ausbildung und Forschung ein veraltetes und oft kontraproduktives Berufungsverfahren. Der Deutsche Ärztinnenbund hat sich - der Politik seiís gedankt - zum Glück mit Erfolg dafür einsetzen können, dass endlich die erste Ordinaria für Frauenheilkunde berufen wurde.

Was ich in diesen zwei Jahren erlebt habe, was viele Frauenbeauftragte erlebt haben, die zunächst ganz neutral ihr Amt antreten, spottet jeder Beschreibung bezüglich der Argumente in einem solchen Verfahren und lässt einen zur aktiven Verfechterin von mehr Transparenz und sachlich begründeten Qualitätskriterien werden.

Leider sind die Berufungsverfahren auch für viele männliche Kollegen oft demütigend und ungerecht. Aber was den Frauen widerfährt, übertrifft dies bei weitem. Ich könnte darüber zehn Minuten referieren; aber so viel Redezeit steht mir nicht zur Verfügung.

Es darf bei den Berufungsverfahren nicht länger um einen Initiationsritus gehen, bei dem man verletzt wird und dies auch aushalten muss, damit mit man für die höheren Weihen eines Ordinariats für wert befunden wird. Ein uns allen bekannter und renommierter Hochschullehrer hat erklärt: Der Ablauf der Berufungsverfahren ist nicht gerechtfertigt und nicht kompetent. Ein Headhunter würde dies unter neutralen Gesichtspunkten vermutlich viel besser erledigen.

Wir fordern deshalb für Berufungsverfahren erstens, dass sie nach einheitlichen Behandlungsstandards ablaufen und in allen Phasen rechtsstaatlichen Grundsätzen genügen und für alle Beteiligten transparent und überprüfbar sind. Wir fordern zweitens geschlechtergerechte und transparente Bewertungskriterien für die fachliche Qualifikation und die persönliche Eignung. Drittens fordern wir, dass interdisziplinäre Forschungsansätze stärker gewichtet werden.

Ich bitte Sie, den Antrag zur Transparenz in Berufungsverfahren zu unterstützen.

Danke.

(Beifall)

Prof. Dr. Hoppe, Präsident:

Danke schön. - Als nächster Redner bitte Herr Schwarzkopf-Steinhauser aus Bayern.


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