TopIV: Eckpunkte zur Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung

Dr. Mörlein, Bayern:

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Modalitäten bezüglich der Weiterbildung, insbesondere der fakultativen Weiterbildung, haben sich verändert; das wissen wir alle. Wir sollten nicht nur über die Inhalte nachdenken, sondern auch über die Ausgestaltung. Ich will Sie nicht zu sehr mit meinem Fachgebiet, der Gynäkologie, strapazieren, aber ich möchte Ihnen anhand von zwei Beispielen aus diesem Fachgebiet grundsätzliche Probleme näher bringen.

Operative Eingriffe, auch sehr spezialisierte operative Eingriffe, finden nicht nur in großen Kliniken statt, sondern zum Teil ambulant - ich nenne hier das Stichwort minimal-invasiv - oder auch belegärztlich. Denken Sie an die Pflicht zur Durchführung von stationsersetzenden Eingriffen, denken Sie an die IntegrationsVersorgung nach  140 a ff. SGB V. 90 Prozent der Endokrinologie finden im Fach Gynäkologie ambulant statt. Nur jener Teil der Reproduktionsmedizin ist zum Teil klinikgebunden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass heute der große Teil der Endokrinologen und Reproduktionsmediziner einfach "Befruchter" sind. Sie sind IVFler. Der Großteil des Fachgebiets Endokrinologie - die Adoleszentenentwicklung, die Kontrazeption, die Physiologie, die Pathophysiologie des Klimakteriums - findet außerhalb der Kliniken statt. Das kann dadurch in den Kliniken auch nicht vermittelt werden. Das heißt, wir müssen die Inhalte der fakultativen Weiterbildung an die Realitäten anpassen oder sie ins Fachgebiet zurückversenken.

Denken Sie im Rahmen der Befähigungsnachweise auch über ein weiteres Problem nach: Es gibt zahlreiche Autodidakten, die irgendeine Methode entwickeln und kurz nach der Entwicklung die Türe hinter sich zuschlagen und dann im Rahmen eines closed shop riesige Hürden aufbauen, damit andere diese Befähigungsnachweise nicht erwerben können. Das kann es nicht sein; das können wir nicht weiterhin mitmachen.

Deshalb mein Appell: Binden Sie mehr als bisher nicht nur die wissenschaftlichen Fachgesellschaften, sondern auch die entsprechenden Berufsverbände ein. Dann haben Sie die Fachgebiete in der ganzen Breite und Tiefe repräsentiert.

Vielen Dank.

(Beifall)

Prof. Dr. Hoppe, Präsident:

Danke schön. - Der nächste Redner ist Herr Dr. Kaplan. Bitte schön.


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