Sprungmarken
|
Hauptnavigation |
Sie befinden sich hier:
Home > Ärztetag > Ärztetage ab 2006 > 108. DÄT > Presse- Pressemitteilung der BundesärztkammerArmut und Arbeitslosigkeit machen krankBerlin, 05.05.2005 - "Arbeitslosigkeit macht arm, und Armut und Arbeitslosigkeit machen krank, und zwar beides bis hinein in die folgende Generation", sagte Rudolf Henke, Vorsitzender des Ausschusses Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation der Bundesärztekammer, auf dem 108. Deutschen Ärztetag in Berlin. Arme Menschen hätten gegenüber Wohlhabenden eine durchschnittlich um bis zu sieben Jahre geringere Lebenserwartung, zudem hätten sie gegenüber den Wohlhabendsten in nahezu jeder Lebenssituation ein mindestens doppelt so hohes Risiko schwer zu erkranken, vorzeitig zu sterben, einen Unfall zu erleiden oder von Gewalt betroffen zu sein, so Henke. Betroffen seien vor allem Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, Wohnungslose, alleinerziehende Frauen, kinderreiche Familien, Migranten, psychisch Kranke und Heimbewohner. Mit wachsender Arbeitslosigkeit entstehe noch ein weiteres Problem: "In einem Gesundheitswesen, das seine Finanzierung fast ausschließlich an das Arbeitseinkommen bindet, schrumpfen die verfügbaren Ressourcen paradoxerweise gerade dann, wenn Arbeitslosigkeit und Armut die Morbidität zunehmen lassen und damit der Bedarf an gesundheitlicher Versorgung steigt", erklärte Henke. Aufgrund des steigenden Krankheitsrisikos bei wachsender Arbeitslosigkeit und Armut nehme der Bedarf an ärztlichen Leistungen zu, während die hierfür verfügbaren finanziellen Ressourcen geringer würden. Denn die Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen sei nahezu ausschließlich an die Arbeitskosten gekoppelt. Durch das GKV-Modernisierungsgesetz hat sich die Situation für die Betroffenen verschärft. Die neuen Zuzahlungen haben für viele arme Menschen den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung erschwert. Deshalb forderte der Ärztetag die politisch Verantwortlichen auf, sämtliche Zuzahlungen und die Praxisgebühr für Wohnungslose und Heimpatienten zu streichen. "Durch die Praxisgebühr und die Zuzahlungsregelungen für Arzneimittel hat sich der Gesundheitszustand vor allem von Obdachlosen und psychisch Kranken verschlechtert, weil gerade diese nicht in der Lage sind, Zuzahlungen zu nötigen Medikamenten zu leisten und ihre Belege für den Befreiungsantrag ordnungsgemäß in Ordnern zu sammeln", sagte Dr. Cornelia Goesmann, Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Das Ärzteparlament forderte nachdrücklich Honorarzuschläge und Unterstützungszahlungen von Krankenkassen und Gemeinden bei Niederlassung von Ärzten in unterprivilegierten Regionen. Ärzte sollten von den Krankenkassen auch Bonuszahlungen außerhalb der Gesamtvergütung erhalten, wenn sie sozial benachteiligte Patienten vor Ort betreuen oder an Präventionsmaßnahmen heranführen, erklärten die Delegierten. Soziale Unterschiede beispielsweise bei der Lebenserwartung sind aber nicht nur auf die Armutsbevölkerung, d.h. die einkommens- bzw. bildungsschwächste Gruppe begrenzt. "Sie verteilen sich wie eine Stufenleiter über die gesamte gesellschaftliche Schichtungsstruktur: je ungünstiger die soziale Lage, desto niedriger die Lebenserwartung", erläuterte Prof. Dr. Johannes Siegrist, Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie der Universität Düsseldorf, internationale Studien. Unter seiner Leitung untersuchten Forscher im Auftrag der European Science Foundation (ESF) den Zusammenhang zwischen den Lebensumständen und dem Krankheitsrisiko in verschiedenen europäischen Ländern. Die Ergebnisse wurden 2003 in einem Abschlussbericht "Social Variations in Health Expectancy in Europe" (www.esf.org) veröffentlicht. © Bundesärztekammer · letzte Änderung 02.10.2006 |
Kontext-Informationen der Seite |
Wiederholung der Hauptnavigation