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Faktoren der Entstehung einer Medikamentenabhängigkeit

Bei den Bedingungsfaktoren für eine Medikamentenabhängigkeit können sowohl psychische und soziale Faktoren auf Seiten der Betroffenen als auch ein problematisches Verschreibungsverhalten von Seiten der Ärztinnen und Ärzte eine Rolle spielen. Auch der Medikamentenmarkt als solcher mit seinen teilweise suggestiven Werbemethoden hat Einfluss sowohl auf das Verschreibungs- als auch auf das Einnahmeverhalten.

Gesellschaftliche Erfolgserwartungen, die Notwendigkeit zu funktionieren und eine Zunahme unterschiedlichster Befindlichkeitsstörungen können schnell zu einem problematischen Konsum von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial führen. Dadurch, dass viele psychotrope Medikamente frei über den Apothekenhandel zugänglich sind, ist der Zugriff für gefährdete Personen erleichtert. 39 % aller in Deutschland verkauften Arzneimittel-Packungen werden ohne ärztliche Verschreibung erworben [1].

Zudem ist der Medikamentenmarkt zunehmend unübersichtlich. Etwa 10 000 verschreibungspflichtige Arzneimittel machen es der Ärztin oder dem Arzt in seiner Praxis nicht immer einfach, in jedem Fall das geeignete Medikament auszuwählen und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen fortwährend im Auge zu behalten. Allein 4 bis 5 % der häufig von Ärzten verordneten Arzneimittel besitzen ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Dies trifft insbesondere für Hypnotika, Sedativa und Tranquilizer sowie auch für Psychostimulanzien zu. Aber auch Analgetika – insbesondere opioidhaltige und Mischanalgetika – können zur Abhängigkeit führen. Die größten Gefahren gehen von den Benzodiazepinen, aber auch von codeinhaltigen und anderen Kombinationspräparaten aus.

Ein begrenztes Zeitbudget in der ärztlichen Praxis, ein schneller Patientenwechsel mit einer breiten Palette gesundheitlicher Probleme erschweren das Verschreibungsmonitoring zusätzlich. Viele abhängige Patienten suchen zudem wegen des gleichen Problems unterschiedliche Ärzte auf, um Verschreibungswünsche erfüllt zu bekommen.

Für die Ärztin oder den Arzt ist es nicht immer leicht, eine Niedrigdosisabhängigkeit als Folge einer längerfristigen Benzodiazepin-Einnahme zu erkennen. Die typischen Abhängigkeitskriterien nach ICD greifen in diesem Falle nur bedingt, da es z. B. am Merkmal der Dosissteigerung oder der Vernachlässigung sozialer Pflichten in der Regel fehlt. Eine mitunter gravierende Entzugssymptomatik entsteht erst bei einem Absetzversuch. Unterstützt wird eine Niedrigdosisabhängigkeit häufig durch Rebound-Effekte [2], die nach längerer Einnahme bei Absetzversuchen von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln auftreten können. Sie verführen dazu, das Medikament immer weiter zu verordnen bzw. einzunehmen.

[1] Glaeske G.: Psychotrope und andere Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, Jahrbuch Sucht 2005, Neuland 2005

[2] Rebound-Effekte (Phänomene): Gemeint ist hierbei eine überschießende, der Wirkung entgegengesetzte Reaktion nach plötzlichem Absetzen von Medikamenten nach länger dauernder Therapie

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