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Manipulationsverdacht bei Organvergabe

Task Force soll Vorfälle aufklären

Berlin, 20.07.2012

Prof. Dr. Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, hat sich vor dem Hintergrund offenbar schwerwiegender Unregelmäßigkeiten bei der Organvergabe am Göttinger Universitätsklinikum für eine Überarbeitung der bisherigen Regelungen für Transplantationen ausgesprochen. Er werde sich dafür stark machen, dass die Bundesärztekammer ihre Richtlinien verschärft. Dabei werde auch an ein Vier-Augen-Prinzip gedacht, sagte Lilie in der Süddeutschen Zeitung (20.07.2012).

Die Zeitung berichtete über mutmaßliche Manipulationsfälle bei der Organvergabe. So sollen in Göttingen ausgewählte Patienten bevorzugt Spenderorgane erhalten haben. Er sei fassungslos, erklärte Lilie, der auch Strafrechtsprofessor an der Universität Halle ist. Es sei der schlimmste Vorfall, von dem er in der deutschen Transplantationsmedizin je gehört habe, sagte Lilie. In Göttingen seien nicht nur für diesen einen Patienten Protokolle gefälscht worden. Es gehe um zahlreiche weitere Fälle. 

Die Vorgänge würden mit allem Nachdruck aufgeklärt, versichert Lilie. Es sei eine Task Force aus Mitgliedern der Ständigen Kommission Organtransplantation und der Prüfungskommission gegründet worden, die mit kriminalistischen Methoden die Staatsanwaltschaft bei ihrer Arbeit unterstützt. Auch Eurotransplant habe laut Süddeutscher Zeitung  Konsequenzen aus dem Fall gezogen. Künftig muss jeder Internist, der einem Patienten Dialysepflicht bescheinigt, bei der Meldung für die Warteliste namentlich genannt werden.

Das Universitätsklinikum habe sich, als es von dem Manipulationsverdacht erfuhr, sofort von dem betreffenden Chirurgen getrennt, betont Martin Siess, der Vorstand Krankenversorgung des Klinikums in Göttingen. Das Klinikum unterstütze die Aufklärung nach Kräften. „Inzwischen haben wir einen neuen Leiter der Transplantationschirurgie. Ich bin sicher, dass die Indikation zur Transplantation bei den Patienten, die heute auf die Warteliste kommen, nach allen Regeln der Kunst gestellt wird“, betont er. 

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