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Home > Presse > Pressemitteilungen > 2012 > Juli > BÄK- Interview mit Montgomery in der Passauer Neuen PresseBÄK-Präsident Montgomery zum Göttinger Fall: Klinikträger stehen in besonderer VerantwortungBerlin, 28.07.2012 PNP: Der Organspende-Skandal weitet sich aus − ist bisher nur die Spitze des Eisbergs zu erkennen? Frank Ulrich Montgomery: Böse Überraschungen lassen sich grundsätzlich nie ausschließen. Eine erste Sichtung der Akten durch die zuständige Kommission von Bundesärztekammer und Deutscher Stiftung Organtransplantation hat weitere Unregelmäßigkeiten ergeben. Diese werden derzeit untersucht. PNP: Wie kann es sein, dass Manipulationen von Patientenakten und Bestechung so lange unentdeckt bleiben? Montgomery: Das haben wir noch nicht schlüssig klären können. Der beschuldigte Arzt hat bereits in Regensburg wie jetzt auch in Göttingen andere Ärzte mit in sein Betrugssystem einbinden können, sie sogar zum Fälschen von Laborbefunden und Akten angestiftet. Ohne eine besondere Persönlichkeitsstruktur ist das kaum vorstellbar. PNP: Muss die Selbstkontrolle der Ärzteschaft angesichts dieses Skandals nicht schleunigst auf dem Prüfstand? Montgomery: Der Göttinger Fall zeigt ja, dass die Selbstkontrolle der Ärzteschaft funktioniert hat. Unsere Kommission hat erst alles aufgedeckt und auf der Grundlage dieser Untersuchung hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Man muss wohl eher fragen, ob die Selbstkontrolle in den Kliniken ausreichend funktioniert. Es muss geklärt werden, ob bei der Auswahl von Führungspersonal für die Transplantationsmedizin wirklich gewissenhaft gearbeitet wird. Da stehen die Klinikträger in besonderer Verantwortung. Dass in Göttingen von den Regensburger Vorfällen überhaupt nichts bekannt gewesen sein soll, ist schon ein starkes Stück. Der Fall in Regensburg war schließlich dokumentiert. PNP: Würden schärfere Strafen als Abschreckung helfen? Montgomery: Straftaten gerade in der Transplantationsmedizin sind wirklich schwere Delikte. Das muss absolut konsequent geahndet werden. Wir müssen aber viel früher ansetzen. Es darf erst gar nicht zu strafbaren Handlungen kommen. Die Überwachungs- und Kontrollgremien von Deutscher Stiftung Organtransplantation und Bundesärztekammer benötigen mehr Kompetenzen. Sie müssen schon bei geringstem Verdacht aktiv werden können. PNP: Wie groß ist der Vertrauensschaden? Montgomery: Es geht hier um einen Fall mit mehreren Beschuldigten und ausdrücklich nicht um flächendeckende Probleme an den Transplantationskliniken in Deutschland. Der Vertrauensschaden ist dennoch groß. Es bleibt ein schales Gefühl der Bereicherung und krimineller Machenschaften. Das wird die Bereitschaft nicht erhöhen, sich klar zu einer Organspende zu bekennen. Wir müssen und werden alles lückenlos aufklären. © Bundesärztekammer · letzte Änderung 28.07.2012 |
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