Elisabeth Goetz, Ärztin für Anästhesie, Intensiv- und Rettungsmedizin, Geschäftsführerin der Unabhängigen Patientenberatung Bremen

Statement zur Pressekonferenz der Bundesärztekammer am 17.06.2013 in Berlin

(Es gilt das gesprochene Wort)

Blick auf die Arbeit der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen:

Wie werden Patienten unterstützt?

In der Medizin arbeiten  Menschen – und Menschen machen Fehler, daher passieren auch in der Medizin wie überall sonst Fehler -  mit manchmal erheblichen Auswirkungen für die Betroffenen, die Patienten und Patientinnen.

Die Betroffenen empfinden häufig eine Ohnmacht gegenüber den Verursachern oder erleben diese als übermächtig. Wenn die Ohnmacht in Wut und/ oder ein Gefühl der Ungerechtigkeit umschlägt, suchen sie Hilfe und Unterstützung.

Die Patienten sind in Auseinandersetzungen zu vermuteten Behandlungsfehlern in der Beweislast. Eine gute Möglichkeit die notwendigen Beweise zu erlangen, besteht in der Eröffnung einer kostenlosen Schlichtung bei einer Gutachterkommission oder Schlichtungsstelle der Ärztekammern.

Nach anfänglich doch erheblichen Resentiments („Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“) gegenüber der Unabhängigkeit der Schlichtungsstellen erleben die Patienten das Schlichtungsverfahren als einen guten, neutralen - wenn auch oft sehr anstrengenden -  Weg, ihre Fragen beantwortet zu bekommen und eine fachkundige Einschätzung der Ereignisse zu erhalten.

Den Betroffenen geht es in der Regel nicht oder nicht  primär um ein Schmerzensgeld oder einen Schadensersatz; der Schaden ist oft genug nicht wieder gut zu machen. Sie erwarten vielmehr eine offene Kommunikation und eine Beantwortung ihrer offenen Fragen. Daran hapert es leider - trotz sehr guter Ansätze - im Alltag des Medizingeschehens bis heute noch allzu oft.

An dieser Stelle die Empfehlung an die Beteiligten:

  • Für Patienten: Lassen Sie sich ermutigen bei einem Verdacht auf eine fehlerhafte Behandlung ein Schlichtungsverfahren bei den entsprechenden Stellen an zu streben.
  • Für Ärzte/ Krankenhäuser: kommunizieren Sie offen über den Ablauf der Ereignisse, die zu der fehlerhaften Behandlung geführt haben; raten Sie Patienten zu einem Antrag für die Schlichtung bei den entsprechenden Stellen.
  • Für die Schlichtungsstelle: arbeiten Sie weiter wie bisher – und machen Sie sich bei den Betroffenen bekannter.