Gesundheitstipp der Bundesärztekammer

Kinder brauchen passende Schuhe

Das Tragen zu kleiner Schuhe kann zu gravierenden gesundheitlichen Spätfolgen führen. Dennoch stecken mindestens fünfzig Prozent der Kinderfüße in zu kleinen Schuhen, wie internationale Studien belegen. Das österreichische Forschungsprojekt "Kinderfüße - Kinderschuhe" hat sogar festgestellt, dass zwei Drittel der Haus- und Straßenschuhe von drei- bis sechseinhalbjährigen Kindern in Österreich zu kurz sind. Zwar ist die Mehrzahl der Eltern von der Wichtigkeit passender Schuhe überzeugt, doch nicht alle Eltern wissen, dass Schuhe länger sein müssen als die Füße. Auch kennen die wenigstens eine geeignete Methode, um die Passform von Kinderschuhen zu überprüfen. Die Bundesärztekammer empfiehlt Eltern, sich nicht auf das Urteil ihrer Sprösslinge zu verlassen, denn Nervensystem und Urteilsvermögen sind bei Kindergarten- und Vorschulkindern noch nicht differenziert genug entwickelt, um zu kleine Schuhe auch tatsächlich als solche erkennen zu können.

Etwa 98 Prozent der Neugeborenen, aber nur noch 40 Prozent der Erwachsenen haben gesunde Füße. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Größenauszeichnung bei Kinderschuhen oft nicht stimmt. Da im Schuhgeschäft üblicherweise nur die Füße der Kinder, nicht aber die Schuhe vermessen werden, sind Konflikte in Bezug auf die Passform vorprogrammiert. Eltern sollten beim Schuhkauf darauf achten, dass die Schuhe mindestens 10 mm, im Idealfall sogar 12 mm länger sind als die Füße der Kinder. Die Bundesärztekammer rät deshalb, bei Kindern im Alter von drei bis sechseinhalb Jahren alle vier Monate zu überprüfen, ob die Schuhe noch richtig sitzen. In diesem Altersbereich wachsen die Füße nämlich etwa 1 mm pro Monat. Um sich daran zu erinnern, wann die Passform der Schuhe wieder kontrolliert werden muss, können Eltern auch auf die bewährte Körpergrößen-Messmethode am Türrahmen zurückgreifen: In der Regel werden die Füße bei 3 cm Körperwachstum rund 5 mm größer.

Um tatsächlich ein passendes Paar Schuhe zu finden, sollten Eltern eine Schablone des Kinderfußes anfertigen. Dazu muss das Kind barfuß auf einem Karton stehen, denn Socken können Form und Größe des Fußes verfälschen. Zudem dehnt sich der nachgiebige kindliche Fuß unter Belastung aus und beansprucht damit mehr Platz. Nachdem der Fußumriss gezeichnet wurde, an den längsten Zeh 12 mm hinzufügen. Passt die Schablone in den Schuh, so passt auch der Schuh.

Wenn Kinder nur gelegentlich zu kleine Schuhe tragen, hat dies keine langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Füße. Allerdings kann es kurzzeitig zu Schmerzen, Blasen und Hautrötungen kommen. Gesundheitliche Spätfolgen sind erst zu erwarten, wenn die Schuhe über einen längeren Zeitraum zu klein sind und der nötige Ausgleich durch häufiges Barfußgehen fehlt. Zu kurze Schuhe führen nachweislich zu Veränderungen des Kinderfußes. Durch Stauchung und Einpferchung der Füße verändert sich die Zehenstellung und es kann zu schmerzhaften Gelenkentzündungen sowie krankhaften Gelenkveränderungen kommen. Auch Muskel- und Sehnenschmerzen sowie Entzündungen und Verkürzungen der Fußmuskulatur sind keine Seltenheit. Zu enge Schuhe begünstigen zudem Durchblutungsstörungen. Ein Kälte- und Taubheitsgefühl sowie Venenleiden sind die Folgen. Kranke Füße können negative Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben. Neben Knie-, Hüft- und Rückenbeschwerden kann es indirekt auch zu Herz-Kreislaufproblemen kommen, denn die meisten sportlichen Aktivitäten setzen funktionierende Füße voraus (z.B. Jogging, Wandern, Fußball, Tennis). Folglich begünstigen kranke Füße Bewegungsmangelerkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck. Deshalb sollte sowohl zur Behandlung kranker Füße als auch zur Vermeidung von Folgeerkrankungen unbedingt ein Orthopäde aufgesucht werden, wenn eine Fußerkrankung vorliegt.