Stellungnahmen der Bundesärztekammer zu AQUA-Papieren

Stellungnahme der Bundesärztekammer gemäß § 137a SGB V (3) zum Vorbericht des sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahrens „Konisation"

05.08.2010

Stellungnahme der Bundesärztekammer gemäß § 137a SGB V (3) zum Vorbericht des sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahrens „Konisation" [PDF]

Hintergrund

Die Bundesärztekammer wurde mit E-Mail vom 09.07.2010 als zu beteiligende Organisation gemäß § 137a SGB V (3) von der AQUA-Institut GmbH zu einer Stellungnahme zum Vorbe­richt des sektorgleichen Qualitätssicherungsverfahrens „Konisation" aufgefordert. Der Ge­meinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das AQUA-Institut in seiner Funktion als Institu­tion nach § 137 a SGB V am 03.12.2009 beauftragt, Instrumente und Indikatoren sowie die notwendige Dokumentation für dieses Qualitätssicherungsverfahren zu entwickeln. Der Vor­bericht ist das Ergebnis dieser Entwicklung.

Die Bundesärztekammer nimmt zum Vorbericht wie folgt Stellung:

Der vorlegte Vorbericht stellt kurz das Krankheitsbild des Zervixkarzinoms dar und macht Angaben zur Indikation und den Verfahrensvarianten der Konisation. Auf Basis der Beson­derheiten der Versorgungskette werden Optimierungspotenziale für die Qualitätssicherung diskutiert.

Als Zielsetzung der Beauftragung durch den G-BA wird die Weiterentwicklung des bestehen­den (sektorspezifischen) stationären Qualitätssicherungsverfahrens Konisation (im Rahmen der operativen Gynäkologie) zu einem sektorgleichen Verfahren genannt.

Der Vorbericht gibt einen Überblick über den Verfahrensablauf mit der Informationsbeschaf­fung und -bewertung, der Entwicklung einer ersten Indikatorensammlung durch AQUA sowie mit den weiteren Auswahlschritten im Expertenpanel bis hin zum endgültigen Indikatorenset.

Der Vorbericht schließt mit Empfehlungen zur Umsetzung. Als Anhänge werden Details zur Recherche und zu den Indikatorenbewertungen dargestellt. Außerdem liegen ausführliche Informationen zu den ausgewählten Indikatoren vor, inklusive Rationalen, Literaturhinweisen, Rechenregeln und benötigten Datenfeldern.

Zum Verfahren

Es wurde eine Vorrecherche v. a. in HTA-Berichten und Leitlinien durchgeführt, um den ak­tuellen Technologiestatus zu ermitteln, die Evidenz abzuschätzen und Suchfilter und Such­begriffe für die Hauptrecherche zu finden.

Die Hauptrecherche fand zum einen in bibliographischen Datenbanken und zum anderen in Indikatordatenbanken von „Institutionen/Organisationen mit Erfahrung in der Entwicklung und Evaluation von Qualitätsindikatoren für das Gesundheitswesen“ statt. Während in den Ver­fahrensentwicklungen zur QS Koronarangiographie/PCI bzw. Katarakt auf zahlreiche Indi­katoren aus internationalen Indikatordatenbanken zurückgegriffen werden konnte, wurden im Fall der Konisation bis auf zwei Indikatoren des BQS-Verfahrens keine „fertig“ formulierten Indikatoren ermittelt, so dass in allen Bereichen eine Neuentwicklung („De-novo-Synthese“) von Indikatoren erforderlich war.

Mit der Hauptrecherche wurden von zwei Reviewern 98 Indikatoren ermittelt, für die Exper­tenpanelbewertungen aufbereitet und den so genannten Qualitätsdimensionen des von AQUA verwendeten Qualitätsmodells zugeordnet (Zugang zur Versorgung 2 Indikatoren, Effektivität 53, Patientensicherheit 13, Patientenorientierung 30).

In einer ersten Panelrunde wurden von 14 Experten 10 Indikatoren als relevant, 84 Indikato­ren als fraglich relevant und 4 Indikatoren als nicht relevant eingestuft.

In einer zweiten Runde wurden einige Indikatoren modifiziert. Nach erneuter Bewertung blie­ben 27 als relevant konsentierte Indikatoren übrig (Zugang zur Versorgung 1 Indikator, Ef­fektivität 16, Patientensicherheit 1, Patientenorientierung 9). Einer dieser Indikatoren war ein BQS-Indikator.

Die Beurteilung der Praktikabilität durch die Experten war mit einer ausführlichen Diskussion verbunden. 26 Indikatoren wurden schließlich als praktikabel bewertet.

Bei 7 Indikatoren wurde von den Experten eine „Eignung für die einrichtungsbezogene öf­fentliche Berichterstattung“ festgestellt. Da Patientenbefragungen grundsätzlich als Stichpro­ben erfolgen sollen, wird auf eine öffentliche Berichterstattung dieser Indikatoren verzichtet. Nach Dublettenentfernung entstand das endgültige Indikatorenset aus 24 Indikatoren.

Verfahrensbewertung

Der Ablauf der Recherche und der Panelbewertung wird ausführlich dargestellt. Leider er­schweren an einigen Stellen inkonsistente Begrifflichkeiten die Nachvollziehbarkeit. Nach­dem in den anderen Vorberichten konsequent die Qualitätsdimensionen des AQUA-Modells gewählt werden, um die Indikatoren zu kategorisieren, werden im Vorbericht Konisation, Qualitätsdimensionen und Indikatortypen vermischt dargestellt. Die Zahlenangaben bei ein­zelnen Indikatorschritten sind z. T. widersprüchlich bzw. deren Ableitung schwer nachvoll­ziehbar (siehe Anlage).

Es bleibt zu hoffen, dass die Informationen des Vorberichts auch in toto der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Indikatorenset

Zur Überprüfung der Strukturqualität wird die ungewöhnliche Vorgehensweise gewählt, für jede durchgeführte Kolposkopie (bei Verdacht auf Dysplasie) die Qualifikation des Arztes abzufragen. Durch diese Vorgehensweise wird einerseits der Dokumentationsaufwand bei fraglicher Aussagekraft des Indikators deutlich erhöht und andererseits das QS-Verfahren Konisation de facto auf die diagnostische Kolposkopie ausgeweitet.

Mit dem restlichen Indikatorenset sind alle wesentlichen Bereiche im Rahmen einer Konisa­tion abgedeckt: Indikationsstellung, verfahrenstechnische Prozessindikatoren zum Eingriff und zur Nachsorge, Komplikationsraten sowie Aspekte der Patientenzufriedenheit.

Durch die Einbeziehung von Follow-up-Indikatoren enthält das Konzept über den streng sektorgleichen Bereich hinaus auch Langzeitkomponenten. Nicht praktikabel erscheint aller­dings der Vorschlag, alleine für den fraglich aussagekräftigen Indikator der Komplikationsrate nach Konisation bei Schwangeren die QS-Verfahren „Konisation“ und „Geburtshilfe“ mit ein­ander zu verbinden.

Methodik

Zu den Detailanmerkungen siehe Anlage. Insbesondere in den Umsetzungen der Rechenre­geln und der Datensatzgestaltungen finden sich im Vorbericht einige Widersprüche und Fehler.

Realisierung

Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen und den strukturellen und technischen Vor­aussetzungen gibt AQUA Empfehlungen zur Umsetzung der Dokumente und Instrumente. Werden alle Indikatoren umgesetzt, dürften die resultierenden Datensätze in der Summe ca. 25 Datenfelder aufweisen; der Dokumentationsumfang wäre damit etwas geringer als im stationären QS-Verfahren Operative Gynäkologie.

Es wird dargestellt, dass auch vorhandene Abrechnungs-(Routine-)daten genutzt werden können. Leider wird übersehen, dass bereits jetzt einige der entwickelten Indikatoren (ggf. nach entsprechender Überarbeitung der OPS-Kodes) anstelle einer gesonderten Erhebung komplett über Routinedaten berechnet werden könnten.

In diesem Kontext wird auch eine mögliche Verwendung von „Daten der Krankenversicherer“ für ein Follow-up nach Konisation angedeutet. Auf welcher rechtlichen Basis und wie dies geschehen soll, ist dem Vorbericht allerdings nicht zu entnehmen.

Bezüglich der Patientenbefragung wird im Vorbericht angedeutet, dass ein Konzept zur Pati­entenbefragung in Entwicklung sei, das eine Kombination aus generischen und krankheits­spezifischen Elementen darstelle. Diese zurzeit noch vage Angabe macht deutlich, dass in Zusammenarbeit zwischen AQUA und dem G-BA zügig grundsätzlich geklärt werden sollte, wie der „generische“ Teil des Patientenfragebogens aussieht und wie die Befragungen durchgeführt werden sollen. Die von AQUA vorgeschlagene Variante (Szenario II), dass die Adressen der Patienten – nach Einwilligung – an AQUA übermittelt werden, dürfte daten­schutzrechtlich schwer umzusetzen sein.

Fazit

Zusammenfassend wird im vorliegenden Vorbericht „Konisation“ ein Indikatorenset vorge­stellt, das ‑ mangels aus der internationalen Literatur verfügbarer Qualitätsindikato­ren ‑ überwiegend aus neu entwickelten Indikatoren besteht.

Der Entwicklungsprozess des Indikatorensets ist im Wesentlichen transparent und nachvoll­ziehbar dargestellt. Der Vorbericht „Konisation“ weicht in seiner Terminologie allerdings von den übrigen Vorberichten etwas ab; hier wäre eine einheitliche Gestaltung wünschenswert.

Bei näherer Analyse sind einige Detailungenauigkeiten z. B. in Form von inhaltlichen Wider­sprüchen bzw. Fehlern festzustellen.

Zur Realisierung des vorgestellten Verfahrens bleiben einige Fragen offen, z. B. auf welcher rechtlichen Basis die Ausdehnung des QS-Verfahrens auf Kolposkopien bzw. auf in der Qualitätssicherung Geburtshilfe erfasste Geburten erfolgen soll.

Die Klärung dieser Fragen muss zeitnah erfolgen, wenn das sektorgleiche Verfahren Koni­sation bis zum Jahre 2012 aus der stationären Qualitätssicherung operative Gynäkologie herausgelöst werden soll.

Berlin, den 05.08.2010

Dr. med. Regina Klakow-Franck, M. A.
Leiterin Dezernate 3 und 4

Anlage

Kap S. Thema Anmerkung
4.1 29 Vorrecherche Tabelle 4 Gesamtergebnisse der Vorrecherche Tabelle 5 Übersicht der Do­kumente zum Technologie­status In Tabelle 4 werden 13 HTA-Berichte bzw. insgesamt 84 relevante Doku­mente angegeben. In Tabelle 5 sind 39 Dokumente aufgelistet. Wieso werden die restlichen relevanten Quellen nicht aufgeführt?

29, 33 Vorrecherche Tabelle 4 Gesamtergebnisse der Vorrecherche Hauptrecherche Als Ergebnis der Vorrecherche wird angegeben, dass 11 Leitlinien als rele­vante Dokumente zum Verfahren ermittelt worden sein. Als Ergebnis der Hauptrecherche – „systematische Recherche in Leitlinien“ wird erneut angegeben, dass 11 aktuell relevante Leitlinien identifiziert wurden. Handelt es sich um die gleichen Leitlinien?
4.3 36, 37 Ermittelte Indikatoren Die Begrifflichkeiten werden nicht durchgehend konsistent verwendet (Ta­belle 7 Indikatortyp/Qualitätsdimension bzw. Tabelle 8 Typ/Dimension). Verwirrenderweise ist im Text zu Tabelle 7 von „Qualitätskategorien“ und im Text zu Tabelle 8 von „Qualitätstyp“ die Rede.

36 Abbildung 3 Die Abbildung 3 zeigt die Suchergebnisse links aus der „systematischen Literaturrecherche“ (in der Summe 225 Indikatoren) und rechts aus der Recherche in Agenturen, d. h. „systematisch ermittelte Indikatoren“ (in der Summe 98). Tabellen 8 (9 und 10) stellen die 98 „insgesamt identifizierten“ Indikatoren dar, die sich genau so auf Struktur, Prozess, Sicherheit, Patientenperspek­tive, Outcome aufteilen, wie die 98 Indikatoren in Abbildung 3 rechts. Ist dies Zufall oder wurden die 225 Indikatoren aus der linken Seite der Grafik nicht berücksichtigt?

43 Text unter Tabelle 12 Zahlenwiderspruch Dort heißt es, dass „aufgrund starker inhaltlicher Überschneidungen erneut jeweils zwei Indikatoren aus der Qualitätsdimension Effektivität zusam­mengefasst wurden, sodass sich 22 als relevant konsentierte Indikatoren ergeben“. Die Reduktion von 27 auf 22 ist nicht nachvollziehbar, so zeigt Tabelle 14 weiterhin 27 relevante Indikatoren (Würde man in Tabelle 14 zwei Varianten eines Indikators als ein Indikator zählen, wären es 24).

44 Tabelle 14 und Anhang C.2 Zahlenwiderspruch Ergebnisse nach der zweiten Bewertungsrunde: Tabelle 14 zeigt 9 rele­vante Indikatoren zur Patientenorientierung (PP05 – PP31). Dies wider­spricht Anhang C.3, in der alle Indikatoren zur Patientenorientierung (PP01-PP30) einzeln als nicht relevant aufgeführt werden.

46
Zahlenwiderspruch Im Text ist von 18 Bewertungen die Rede, während Tabelle 15 und 16 weiterhin 27 Indikatoren aufführen.

56 ST08 Ärztliche Expertise bei der Durchführung der Kol­poskopie Streng genommen handelt es sich um einen Indikator zu einer QS Kol­poskopie, da der Auslöser der OPS-Kode für Kolposkopien ist. Im Rahmen der Facharztweiterbildung ist die selbständige Durchführung von 300 Kolposkopien vorgeschrieben. Insofern ist davon auszugehen, dass jeder Facharzt die geforderte "Legitimation durch eine Fachorganisa­tion" besitzt. Sollte hier jedoch ein Kurs einer Arbeitsgemeinschaft oder eines Vereins gemeint sein, so wäre dies eine einseitige Bevorzugung.

57 P04 Sofortige Konisation bei PAP IIID und CIN 1 sind obsolet Gemeint ist wohl „maximal PAP IIID oder CIN1“, da niedrigere PAP-Sta­dien bzw. ein Normalbefund ebenfalls nicht eine sofortige Konisation nach sich ziehen sollten. Zudem wird bei der Gestaltung des Indikators nicht berücksichtigt, ob weitere den Eingriff begründende Untersuchungsbefunde vorliegen, z. B. Abstrich auf HPV- high risk. Sprachlich besser: Sofortige Konisation bei PAP IIID und CIN 1 ist obsolet“

58 P05 Adoleszente Patientin­nen mit Konisation Man könnte diesen Indikator auch komplett aus Routinedaten berechnen.

58 P08 Indikation zur Konisation in der Schwangerschaft Man könnte diesen Indikator auch komplett aus Routinedaten berechnen (Rechenregel: gleichzeitiges Vorliegen eines OPS-Kodes für Konisation und eines ICD-Kodes für Schwangerschaft)

59 P13 Fehlende hochgradige präkanzeröse Befunde der Konisate Inhaltliche Überschneidung mit bzw. Widerspruch zu Indikator P04: Wäh­rend der Indikator P04 nur sofortige Konisationen bei CIN 1 vermeiden soll, zielt der Indikator P13 darauf ab, Konisationen bei CIN 1 ganz zu vermeiden.

59 P15 Konisation unter Kol­poskopie-Kontrolle Sinnvoller Prozessindikator

60 P17 Reduzierung von Mes­serkonisationen Hinweis: Durch entsprechende Präzisierung der OPS-Kodes für Konisation (Messer,- Schlingen-, Laserkonisation, Antrag beim DIMDI) könnte man diesen Indikator auch komplett aus Routinedaten errechnen. Sinnvoller Prozessindikator

60 P27 Histologische Beurtei­lung des Konus Sinnvoller Prozessindikator, für den konsequenterweise ein Referenzbe­reich von 100 % bzw. Sentinel Event gewählt werden sollte. Warum hier zwischen ambulant und stationär behandelten Patienten mittels Risikoadjustierung unterschieden werden sollte, ist allerdings nicht ersicht­lich.

61 P30 Beurteilbarkeit des his­tologischen Präparats nach Konisation Unter „Hintergrund“ wird angegeben, dass der Indikator die „Steigerung der Rate an Patientinnen misst, bei denen eine solche histologische Beurtei­lung vorliegt“. Es ist nicht ersichtlich, wie die Veränderung der Rate opera­tionalisiert ist. Zudem ist das Vorliegen einer histologischen Beurteilung eigentlich Gegenstand von Indikator P27.

63 OU10 Positiver Absetzungs­rand bei Adenocarcinoma in situ Wie korrekt beschrieben, tritt das Adenokarzinom in 5 – 15 % der Zervix­karzinome auf. Das Adenocarcinoma in situ ist allerdings extrem selten. Insofern werden für diesen Indikator kaum ausreichend hohe Zahlen er­reicht; es wird sich einrichtungsbezogen also immer um Einzelfälle ohne statistische Aussagekraft handeln. Als Sentinel Event-Indikator wäre der Indikator allerdings denkbar.

64 S11: Erhöhte Komplikations­rate in der Schwangerschaft nach Konisationen Wieso zählt die Nachblutungsrate zum Outcome, die Komplikationsrate bei Schwangeren aber zur Patientensicherheit? Es wird eine Verbindung zwischen dem QS-Verfahren Konisation und dem QS-Verfahren Geburtshilfe vorgeschlagen, d. h. in der Geburtshilfe sollen Daten erhoben werden, um einen Indikator in der QS Konisation zu be­rechnen. Allein die zusätzliche Angabe „Konisation in der Vergangenheit“ sagt nichts darüber aus, ob die (vermutete) geburtshilfliche Komplikation wirklich der Konisation angelastet werden kann. Ohne eine extrem aufwändige Verknüpfung über Patientinnenpseudonym dürfte der Indikator nicht praktikabel sein. Dieser Aufwand lohnt sich bei der geringen Aussagekraft des Indikators sicher nicht.

70 Datenbasis Hier heißt es „Erstmals wird mit diesem Verfahren auch der Weg gegangen, Daten der Krankenversicherer zu verwenden. Dies betrifft zum Beispiel die Abbildung des Follow-up nach Konisation.“ Die Einbindung der Krankenkassendaten ist nicht weiter spezifiziert.
Anhang D1
Auslösekriterium ambulant Während in den Vorberichten „Katarakt“ und „Konisation“ für die Auslösung der ambulanten Eingriffe nur die OPS-Kodes verwendet wurden, wird im Vorbericht „Konisation“ immer ein OPS-Kode in Verbindung mit („UND-Verknüpfung“) mit einem EBM-Kode (gynäkologischer Eingriff) angegeben. Der Grund dafür ist nicht ersichtlich.


Schreibweise der OPS-Ko­des In allen Indikatorblättern: streiche „5.671 bis 5.673“, setze „5-671 bis 5-673“


ST08 Ärztliche Expertise bei der Durchführung der Kol­poskopie Datenfeld „Durchführender“ Was unter „Arzt, durch Fachorganisation legitimiert“ zu verstehen ist, muss ausführlich erläutert werden. Da nur ein Eintrag möglich ist, wäre demnach unter „Facharzt“ ein Facharzt zu verstehen, der nicht durch Fachorganisa­tion legitimiert ist?


P01 Differentialkolposkopie vor Konisation Datenfeld „Präoperative Differentialkolposkopie“ Hier ist vermerkt, dass die Information „in Zukunft“ über OPS-Kode gewon­nen werden soll. Dies setzt allerdings voraus, dass die präoperative Diffe­rentialkolposkopie in der gleichen Einrichtung wie die Konisation erfolgt. Referenzbereich
Obwohl von den Experten vorgeschlagen (Seite 57), wird kein Referenzbe­reich (Zielbereich) festgelegt Datenfeld Präoperative Histologie (Biopsie) Anstelle einer nein/ja-Abfrage könnte man auch Schlüsseleinträge wählen, in welcher eine fehlende Biopsie näher begründet werden kann.


P04 Sofortige Konisation bei PAP IIID und CIN 1 sind obsolet Zähler s. o. maximal PAP IIID oder CIN1 – entsprechende Änderung der Rechen­regel Es sollen nur Fälle mit präoperativen Histologie- oder Zytologiebefunden einbezogen werden. Das würde begünstigen, dass man dem Indikator entgeht, wenn präoperativ keine Befunde vorliegen. Wie wird die „sofortige“ Konisation operationalisiert?


P05 Adoleszente Patientin­nen mit Konisation Ausschlusskriterien Wenn die Rate der 12-18 Jährigen an allen Patienten errechnet werden soll, dürfen die >18 Jährigen nicht ausgeschlossen werden. Widerspruch Sentinel Event und „kein Referenzbereich definiert“


P13 Fehlende hochgradige präkanzeröse Befunde der Konisate Zähler Hier fehlt die Angabe, dass es sich um die postoperative Histologie handelt. Histologie Das Feld für postoperative Histologie hat den Schlüsseleintrag „Ektopie“, diese Option fehlt im Feld für präoperative Histologie.


P27 Histologische Beurtei­lung des Konus Risikoadjustierung Während es auf Seite 60 heißt: „Für diesen Indikator wird die Entwicklung einer angemessenen Risiko-adjustierung, die zwischen ambulant und stationär behandelten Patienten unterscheidet, empfohlen“
ist im Indikatorendatenblatt vermerkt:
„Indikator wird nicht von Risikofaktoren beeinflusst“ Zähler Hier ist aufgeführt:“…Größe bei allen Läsionen - nicht metrisch - ...“ Woher sollen diese Angaben bezogen werden? Es sind nur Datenfelder zur verti­kalen und horizontalen Ausdehnung bei invasiven Läsionen sowie zum endo- und ektozervikalen Resektionsrand vorgesehen.


P30: Beurteilbarkeit des histologischen Präparats nach Konisation Risikoadjustierung Während es auf Seite 61 heißt: „Für diesen Indikator wird die Entwicklung einer angemessenen Risiko-adjustierung, die zwischen ambulant und stationär behandelten Patienten unterscheidet, empfohlen“
ist im Indikatorendatenblatt vermerkt:
„Keine Risikoadjustierung erforderlich“ Zähler Der Zähler lautet: „Anzahl der Patientinnen mit gut beurteilbaren Präpara­ten“ während das Datenfeld „Beurteilbarkeit des Präparates (Postoperativ) nur die Einträge „nein“, „ja“ und „nicht vorhanden“ zulässt.


P32: Nachsorge: HPV-Test zwischen 6 und 12 Monaten nach Konisation Auslösekriterium für Follow-up Durch das gewählte Auslösekriterium muss jeder HPV-Test (auch ohne vorherige Konisation) elektronisch dokumentiert werden, statt nach 6 bis 12 Monaten eine gezielte Nachfrage nur bei den Patientinnen mit Konisation durchzuführen. Allerdings ist es sehr fraglich, ob sich der Erhebungsauf­wand überhaupt lohnt, wenn – wie auf Seite 61 aufgeführt – der HPV-Test als Nachsorgetest noch nicht etabliert ist.


P34: Patientinnen mit soforti­ger Rekonisation bei positi­vem Absetzungsrand Nenner/Zähler Zähler und Nenner sind wenig aussagekräftig konstruiert. Da bei Patientinnen mit positivem Absetzungsrand nicht innerhalb von 3 Monaten eine Rekonisation durchgeführt werden sollte (Ausnahme ACIS, Invasion) müsste der Nenner lauten: Patientinnen mit positivem Absetzungsrand und der Zähler: Patientinnen mit Rekonisation <=3 Monate Auslösekriterium Der vorgeschlagene Datensatz sieht nach dem Ersteingriff das Datenfeld „Rekonisation“ (oder den OPS-Kode 5-671.1) vor. Damit werden nur die Fälle erfasst, die während desselben Aufenthaltes eine Rekonisation er­halten. Für eine Wiederaufnahme zur Rekonisation müsste zusätzlich ein Follow-up definiert werden.


OU10: Bedeutung des positi­ven Absetzungsrands bei Adenocarcinoma in situ Verwirrenderweise werden die Patientinnen ohne ACIS in den Ausschluss­kriterien genannt. - Besser: Nenner: Patientinnen mit ACIS, bei denen eine Konisation durchgeführt wurde. Stratifizierung: Da nur Patientinnen mit ACIS eingeschlossen sind, kann nicht eine „Strati­fizierung in ACIS oder sonstige“ erfolgen.


OU11: Behandlungsbedürf­tige Nachblutungen nach Konisation Zähler Der Zähler ist definiert: „Anzahl der Patientinnen mit behandlungsbedürfti­gen Nachblutungen (Transfusion oder Re-OP) nach Konisation“ Im Datenfeld „Art der Komplikation“ ist zu dokumentieren „OP-pflichtige Nachblutung“ bzw. „nicht OP-pflichtige Nachblutung“ Eine nicht OP-pflichtige Nachblutung ist nicht automatisch gleichzuset­zen mit einer mit Transfusion behandlungsbedürftigen Nachblutung. Anmerkung: Es müssen mehrere Komplikationen dokumentierbar sein.


S11: Erhöhte Komplikations­rate in der Schwangerschaft nach Konisationen Die gewünschte Verbindung zwischen dem QS-Verfahren Konisation und dem QS-Verfahren Geburtshilfe ist so nicht durchführbar: Zum einen ist der Auslöser für das QS-Verfahren Geburtshilfe durch umfangreiche OPS-Kode- und ICD-Listen definiert und nicht wie hier angegeben durch 9-26*. Zum anderen werden Schwangere (ohne Geburt) gar nicht erfasst. Dadurch, dass man bei jeder Schwangeren nach einer „Konisation in der Vergangenheit“ fragt, kann man auch nicht schließen, dass die Patientin schon bei der Konisation schwanger war. Zudem wird ein Datensatz für den ambulanten Bereich angegeben, obwohl in den Anmerkungen zu entnehmen ist, dass eine Erhebung „nur im statio­nären Bereich (Aufnahme der Schwangeren) vorgesehen“ sei. Wenn die „Einpunktmessung“ in den Anmerkungen so gemeint ist, dass QS-Konisation und QS Geburtshilfe NICHT verknüpft werden sollen, so müsste in der QS Geburtshilfe zusätzlich die Institution angegeben werden, welche die „Konisation in der Vergangenheit“ durchgeführt hat, sonst fehlt eine Zuordnung zum Leistungserbringer. Realisierbar ist der Indikator nur mit einem Follow-up aller schwangeren Patientinnen mit Konisation.