News-Archiv

Hier finden Sie die News aus den letzten Jahren.

Presse 16.11.2013

E-Zigaretten nicht verharmlosen

Berlin, 16.11.2013 „Die gesundheitlichen Auswirkungen von E-Zigaretten sind noch völlig ungeklärt und sollten daher nicht verharmlost werden“, sagte Dr. Christoph von Ascheraden, Vorsitzender des Ausschusses Drogen und Sucht der Bundesärztekammer, zu einer entsprechenden Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm. Dieses hatte entschieden, dass die Werbeaussagen, dass eine E-Zigarette "mindestens 1.000mal weniger schädlich als eine Tabakzigarette ist" und als "einzigen Schadstoff Nikotin enthält" irreführend und damit unzulässig sind. Für die E-Zigarette gebe es bisher keine aussagekräftigen Untersuchungen zu den Langzeitfolgen ihrer Inhaltsstoffe auf die Gesundheit ihrer Konsumenten. Ob sie ein Potenzial in der Raucherentwöhnung hat, muss sich erst noch zeigen. Dazu müsste sie aber zunächst als Arzneimittel zugelassen und nur über Apotheken verkauft werden. Ärzte unterstützen Raucher bei der Raucherentwöhnung, viele Ärztekammern bieten hierzu Fortbildungscurricula an. "In der Tabakkontrolle ist in Deutschland noch viel zu tun. Wir brauchen endlich einen umfassenden und bundesweit einheitlichen Schutz vor Passivrauch am Arbeitsplatz einschließlich der Gastronomie und ein umfassendes Tabakwerbeverbot", so von Ascheraden.
Presse 13.11.2013

BÄK und PKV-Verband schließen Rahmenvereinbarung zur GOÄ-Novellierung

Berlin, 13.11.2013 Die Bundesärztekammer (BÄK) und der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) haben eine Rahmenvereinbarung zu einer baldigen und umfassenden Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) unterzeichnet. Der gemeinsame Vorschlag soll dem federführenden Bundesgesundheitsministerium vorgelegt werden. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof Dr. Frank Ulrich Montgomery, und der Vorsitzende des PKV-Verbandes, Uwe Laue, appellierten an die Koalitionsunterhändler von Union und SPD, die Novellierung der Gebührenordnung als prioritäres Vorhaben auf ihre gesundheitspolitische Agenda zu setzen. Mit der geschlossenen Rahmenvereinbarung hätten BÄK und PKV-Verband gezeigt, dass sie Willens und in der Lage sind, eine gemeinsame Lösung für die Neugestaltung der GOÄ zu entwickeln. Die Rahmenvereinbarung setzt die Eckpunkte für die Entwicklung dieses gemeinsamen Novellierungsvorschlages. In ihr sind konkrete Zeitvorgaben und Zielvereinbarungen festgelegt. So soll bis Ende 2014 eine gremienreife Entwurfsfassung der neuen GOÄ vorliegen. Zudem sieht das Papier Festlegungen für die Gründung einer Gemeinsamen Kommission zur Novellierung, Weiterentwicklung und Pflege der GOÄ mit Datenstelle vor. Die Vereinbarungspartner sind sich darüber hinaus einig, dass die Bewertung  der ärztlichen Leistungen unter Heranziehung von Kostendaten und unter Berücksichtigung der medizinischen Leistungserbringung nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen neu vorzunehmen ist. Die Gebührenordnung bleibt als eigenständige Abrechnungsgrundlage für privatärztliche Leistungen erhalten und wird als  umfassende Abbildung des gesamten ärztlichen Leistungsspektrums konzipiert. Zur Vermeidung unerwünschter bzw. unbegründeter Honorarentwicklungen ist eine geeignete Risikosteuerung vorgesehen. Bundesärztekammer und PKV-Verband konstatieren in der Rahmenvereinbarung, dass die GOÄ seit 1982 nur in Teilbereichen aktualisiert worden ist. Wichtige Bereiche der Medizin seien im Gebührenverzeichnis der GOÄ auf dem Stand vom Ende der 1970er Jahre abgebildet. Deshalb sei es  zwischen den Vereinbarungspartnern unstreitig, dass eine umfassende Überarbeitung der GOÄ im Interesse der Patienten und aller anderen Beteiligten geleistet werden muss. So verständigten sich die Vertragspartner auch auf eine gemeinsam getragene Qualitätsoffensive, mit der die privatärztliche Versorgung weiter verbessert werden soll. „Mit der Novellierung wird eine moderne Gebührenordnung geschaffen, in der Unschärfen der bisherigen Fassung beseitigt und damit die ärztliche Abrechnung vereinfacht und entbürokratisiert wird“, sagte Montgomery. Mit der neuen GOÄ werde mehr Transparenz für Ärzte, Versicherte und Kostenträger geschaffen. Laue ergänzte: „Die gemeinsame Vereinbarung ermöglicht es, die neue GOÄ auf eine betriebswirtschaftlich kalkulierte und nachvollziehbare Grundlage zu stellen. Mit der Gründung einer gemeinsamen Kommission wird zudem sichergestellt, dass medizinische Innovationen zeitnah aufgenommen werden können. Das bedeutet mehr Sicherheit und Qualität für alle Versicherten.“ Rahmenvereinbarung zur Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte [PDF]
Presse 12.11.2013

„Sarkoidose – Was Sie darüber wissen sollten“ – neue Kurzinformation für Patienten erschienen

Berlin, 12.11.2013 Auf zwei Seiten informiert die neu erschienene Kurzinformation „Sarkoidose – Was Sie darüber wissen sollten“ über Krankheitszeichen, Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Patienten finden hier wichtige Fakten und praktische Tipps zum besseren Umgang mit der Erkrankung. Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) entwickelt im Auftrag von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK) Kurzinformationen für Patienten. In einem Kooperationsprojekt erstellt das ÄZQ gemeinsam mit der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e. V. zehn Kurzinformationen für Patienten zu ausgewählten seltenen Erkrankungen, um die Aufmerksamkeit für dieses Thema zu erhöhen. Die Sarkoidose ist eine Erkrankung des gesamten Körpers. Etwa vier von 10000 Menschen sind betroffen. Als Zeichen einer Entzündung bilden sich kleine Bindegewebsknötchen, sogenannte Granulome. Diese gutartigen Gewebeneubildungen bleiben oft unbemerkt. Generell kann jedes Organ befallen werden, Lunge und Lymphknoten sind fast immer betroffen. Die Entzündungsherde können wieder abheilen oder aber vernarben. Betroffene Organe können in ihrer Funktion gestört sein. Viele Erkrankte benötigen keine Behandlung, da die Sarkoidose nach Monaten bis Jahren oft wieder von selbst verschwindet. Wenn die Krankheit fortschreitet oder bestimmte Organe wie Herz, Nieren oder Nerven betroffen sind, kann Kortison helfen. Es wirkt gut gegen Entzündungen und kann Organschäden verhindern. Die Behandlungsdauer ist abhängig von den Krankheitszeichen und beträgt oft sechs bis 24 Monate, manchmal noch länger. Sarkoidose- Was Sie darüber wissen sollten [PDF] Weitere Patienteninformationen
Presse 12.11.2013

Ärzte im Nationalsozialismus

Berlin, 15.11.2013 Auch wenn die Mitschuld der Ärzte an den Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte wissenschaftlich untersucht  wurde, ist die Rolle der Ärzteschaft im Dritten Reich bei weitem noch nicht ausreichend aufgearbeitet worden. Deshalb verleihen die Bundesärztekammer (BÄK), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nunmehr zum vierten Mal den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Forschungspreis für wissenschaftliche Arbeiten zur Geschichte der Ärzte während der NS-Diktatur. Die Jury, die sich aus Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Bundesverbandes Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland, der BÄK und der KBV sowie einem vom BMG benannten Vertreter zusammensetzt, vergab zwei Hauptpreise und zwei Sonderpreise. Sie würdigte ausdrücklich die ausgezeichnete Qualität der eingereichten Arbeiten und deren weitgefächerte Themen- sowie Methodenvielfalt, die ein breites Spektrum von der Alltags- bis zur Institutionengeschichte abdecke. So widmet sich die mit dem diesjährigen Forschungspreis ausgezeichnete Dissertation von Dr. Karl-Werner Ratschko der Rolle der Medizinischen Fakultät in Kiel während der NS-Zeit. Die Stärke der wissenschaftlichen Untersuchung sei die detailgenaue Beschreibung, wie eine Fakultät von nationalsozialistischer Propaganda durchdrungen und zu deren Instrument wurde. Die Arbeit besäße einen hohen Multiplikationsfaktor, andere Hochschulen zu inspirieren, ihre Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus ebenfalls aufzuarbeiten, so die Jury. Neben der Dissertation von Dr. Ratschko wurden drei weitere Arbeiten ausgezeichnet. Bei dem von Matthis Krischel, (Friedrich Moll, Julia Bellmann, Albrecht Scholz (†), Dirk Schultheis) vorgelegten Doppelband zur Fachgeschichte der Urologie in Deutschland und Österreich im Nationalsozialismus hob die Jury die Mischung aus biographischen Kurzdarstellungen und exemplarischen Lebensbildern von Opfern und Tätern hervor. Zudem sei der Versuch unternommen worden, die Entwicklung des Fachs Urologie und Medizin des Nationalsozialismus zusammenzubringen. Ziel sei es gewesen, die Auswirkungen von Vertreibung, Emigration, Anpassung und Selbstindienstnahme mit Fokus auf die den nationalsozialistischen Interessen angepasste Schwerpunktsetzung des Fachgebietes, wie Eugenik und Sterilisation, zu beschreiben. Dr. Ruth Jacob erhielt für ihre Arbeit über jüdische Ärzte in Schöneberg einen Sonderpreis der Jury. Die von ihr konzipierte Wanderausstellung dokumentiere anhand eines bestimmten Stadtviertels, eine „Topographie der Vertreibung“, die auch andere Städte dazu motivieren sollte, eine historische Aufarbeitung ihres Medizinalwesens in der Zeit des Nationalsozialismus zu beginnen. Der zweite Sonderpreis ging an Sigrid Falkenstein (unter Mitarbeit von Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. Frank Schneider), die in ihrer monografischen Arbeit den Spuren der im Zuge der T-4 Aktion ermordeten Anna folgt. Die Jury lobt die als Briefroman konzipierte Arbeit als originell, da sie die Konsequenzen geistiger Behinderung in der Zeit des Nationalsozialismus nachzeichne. Besondere Erwähnung der Jury fanden zudem zwei Forschungsarbeiten wegen ihrer interessanten Themensetzung. Die Dissertation von Dr. Katrin Günther über die Behandlung von Soldaten und Zivilisten in der Marburger Universitäts-Nervenklinik ziele auf den sozialhistorischen Hintergrund und die Rekonstruktion von Diagnose, Therapie sowie Umgang mit Patienten im Alltag unter Kriegsbedingungen. Ebenfalls bemerkenswert fand die Jury die Auftragsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Die Untersuchung habe sich intensiv mit deren Präsidenten in der Zeit von 1933 bis 1945 auseinandergesetzt und habe bewiesen, dass ein Aufarbeitungsprozess der eigenen Fachgesellschaft mit ihrer Geschichte im Nationalsozialismus weiterhin eine wichtige Aufgabe sei, um gegen das Vergessen und eine Verharmlosung der Taten der Akteure anzutreten. Weitere Informationen zum Forschungspreis sowie zu den prämierten Arbeiten...
Presse 11.11.2013

Montgomery: „Ärzte nicht für volle Wartezimmer bestrafen“

Berlin, 11.11.2013 Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, hat die Pläne von Union und SPD für eine Vier-Wochen-Frist bei der Vergabe von Facharztterminen kritisiert: „Analysen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zeigen, dass das Problem vermeidlich überlanger Wartezeiten in den Praxen geringer ist als es von manchen gemacht wird. Ein Patient, der wirklich schwer erkrankt ist, bekommt in der Regel über seinen Hausarzt schnell einen Termin bei einem Facharzt." Problematisch ist aus Sicht des BÄK-Präsidenten, Patienten, die innerhalb der vorgegebenen Frist keinen Facharzttermin erhalten, in Kliniken zu überweisen.  „Kann man wirklich die Kassenärztlichen Vereinigungen dafür bestrafen, dass sie den Ärztemangel verwalten? Kann man die Ärzte dafür bestrafen, dass sie volle Wartezimmer haben?“ Zudem wies er auf die angespannte Personalsituation in den Kliniken hin: „Fast 6000 Arzt-Stellen sind in den Krankenhäusern heute nicht besetzt, wir haben einen großen Pflegemangel im Krankenhaus. Und da soll jetzt noch zusätzliche Arbeit hineinkommen.“ Man müsse die Frage diskutieren, warum es lange Wartezeiten gibt und die  Ursachen für überfüllte Praxen bekämpfen.
Presse 08.11.2013

Montgomery: GOÄ-Verhandlungen auf gutem Weg

Berlin, 08.11.2013 Die Verhandlungen zwischen Bundesärztekammer (BÄK) und dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) über eine neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sind auf einem guten Weg. Gegenüber der Ärzte Zeitung  (08.11.2013) betonte BÄK-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, er sei zuversichtlich, dass die Rahmenvereinbarung zur Novelle in Kürze geschlossen wird. „Ich bin optimistisch, dass auf dieser Basis die Detailverhandlungen, so auch zum Paragrafenteil, im nächsten Jahr abgeschlossen werden könnten." Sobald das neue Konzept vorliegt, sieht Montgomery Bund und Länder am Zug, die Novelle rasch umzusetzen. Die geltende GOÄ stammt in wesentlichen Teilen (operative Kapitel, fast alle konservativen Kapitel) aus dem Jahr 1982. "Die GOÄ muss verständlicher, transparenter und in ihrer Anwendung besser nachvollziehbar werden und sie muss auch künftig ihre Schutzfunktion, wie in § 11 Bundesärzteordnung festgelegt, bewahren, das heißt, den Patienten vor finanzieller Überforderung, den Arzt vor einem ruinösen Unterbietungswettbewerb schützen", fordert die BÄK.
Presse 08.11.2013

Montgomery: Durch Klinikschließungen wird niemand gesünder

Berlin, 08.11.2013 „Die Menschen werden älter und kränker, aber durch Klinikschließungen ist noch niemand gesünder geworden.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (08.11.2013) mit Blick auf Diskussionen in der Koalitionsarbeitsgruppe Gesundheit über eine Ausdünnung der Krankenhauslandschaft. Voraussetzung für eine patientenorientierte Krankenhauspolitik müsse immer eine umfassende und klare Analyse des Behandlungsbedarfs sein. Sonst drohten massive Einschnitte bei der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung der Patientinnen und Patienten. Montgomery sieht die Landesregierungen in der Bringschuld. Die Länder seien verantwortlich für die stationäre Versorgung der Menschen und sollten dies auch bleiben. „Das nimmt die Bundesländer aber auch in die Pflicht, zur finanziellen Entlastung der Krankenhäuser ihren Beitrag zu leisten und endlich in vollem Umfang ihren Investitionsverpflichtungen nachzukommen.“ Vor 15 Jahren seien noch zehn Prozent der Landes-Investitionen in die Kliniken geflossen, heute 3,5 Prozent. Auch von den Krankenkassen fordert Montgomery mehr Mittel. Er stelle nicht das Fallpauschalen-System grundsätzlich infrage, doch müssten die Pauschalen mit den Löhnen der Ärzte und des Pflegepersonals Schritt halten. „Notwendig ist eine volle Refinanzierung der Tariflohnsteigerungen und Personalentwicklungskosten, um auch bereits defizitären Häusern eine adäquate Stellenbesetzung zu ermöglichen“, sagte Montgomery. Er warnte zudem vor politischen Plänen, den  Krankenkassen so genannte Selektivverträge mit einzelnen Kliniken zu gestatten. Dies würde zu erheblichen Einbußen in der flächendeckenden stationären Versorgung führen, weil Häuser ohne solche Verträge finanziell ausbluten würden. Dies könne in einer Gesellschaft des langen Lebens mit steigender Behandlungsbedürftigkeit und Mehrfacherkrankungen keiner wirklich wünschen.
Presse 04.11.2013

Montgomery: Bürgerversicherung ist nicht verhandelbar

Berlin, 04.11.2013 Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery glaubt nicht, dass das SPD-Konzept einer Bürgerversicherung mit CDU und CSU verhandelbar ist. „Ich sehe keinen Grund an den bisherigen klaren Bekenntnissen der Union zum dualen Krankenversicherungssystem  zu zweifeln“, sagte er am Freitag in Berlin. Gleichwohl sieht der Ärzte-Präsident Änderungsbedarf bei der PKV. So könne es nicht sein, dass manche PKV-Tarife das Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung unterschritten. Zudem müsse gewährleistet werden, dass PKV-Versicherte ihre Alterungsrückstellungen bei einem Wechsel innerhalb des PKV-Systems mitnehmen dürften. Montgomery mahnte Strukturreformen im stationären Sektor an. Tariflohnsteigerungen als auch die Personalentwicklungskosten müssten in den Fallpauschalen berücksichtigt werden. Im Kern sei das DRG-System jedoch vernünftig. Das Problem seien die Rahmenbedingungen der Krankenhausfinanzierung. Die Bundesländer hätten sich aus ihrer Verantwortung gestohlen, die Krankenhausinvestitionen zu finanzieren. Vor 15 Jahren seien noch zehn Prozent des Investitionshaushalts für die Krankenhausfinanzierung bereitgestellt worden, heute nur noch 3,5 Prozent.  Montgomery warnte zudem vor Selektivverträgen im stationären Bereich. Es sei falsch, mit Hilfe von Selektivverträgen einzelne Krankenhäuser kurzfristig zu bevorzugen und damit vehement in den Charakter der Krankenhausplanung einzugreifen.
Politisches Statement der... 04.11.2013

Sichere, praktikable und zukunftsorientierte Datenautobahn im Gesundheitswesen mit Mehrwert für Patienten und Leistungserbringer

Berlin, 04.11.2013 Politisches Statement der Spitzenorganisationen der Leistungserbringer zur Telematik [PDF] Der Auf- und Ausbau einer leistungsfähigen Telematikinfrastruktur (TI) zur Verbesserung von Qualität, Wirtschaftlichkeit und Transparenz im deutschen Gesundheitswesen kann nur gelingen, wenn ein unmittelbarer medizinischer Mehrwert für Patienten und Leistungserbringer geschaffen wird. Die Spitzenorganisationen der Leistungserbringer sowie der Spitzenverband Bund der Krankenkassen nehmen die ihnen vom Gesetzgeber übertragene Aufgabe durch die gematik wahr. Sie treibt die Schaffung der TI als kompetenter und effizienter Dienstleister ihrer Gesellschafter voran. Aufgabe der Politik ist es, für gesetzliche Rahmenbedingungen zu sorgen, die eine transparente und diskriminierungsfreie Nutzung der Telematikinfrastruktur garantieren. Sie beschränkt sich im Rahmen der Rechtsaufsicht des Bundesministeriums für Gesundheit darauf, sicherzustellen, dass diese gesetzlichen Rahmenbedingungen von der gematik und ihren Gesellschaftern beachtet werden. Den Gesellschaftern der gematik obliegen die fachliche Verantwortung und die Entscheidungshoheit für Aufbau und Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur sowie für die Implementierung der gesetzlich vorgegebenen sowie darüber hinausgehenden Telematikanwendungen. Nur die starke Rolle der Gesellschafter gewährleistet die Akzeptanz der TI und ihrer Anwendungen bei Leistungserbringern und Patienten. Ausgestaltung der Telematikinfrastruktur als Plattform für vielfältige Telematik-Anwendungen Mit der TI muss eine praktikable und zukunftsgerichtete Datenautobahn im deutschen Gesundheitssystem geschaffen werden, über die sensible Patientendaten sicher transportiert werden können. Die Rahmenbedingungen für die Nutzung dieser Infrastruktur müssen so attraktiv gestaltet werden, dass möglichst viele Anbieter von Telematik- und Telemedizinanwendungen sie im Wettbewerb um eine verbesserte Versorgung und die Schaffung eines medizinischen Mehrwerts zum Wohle der Patienten verwenden wollen. Dazu bedarf es einer offenen Plattform, auf der nach dem Baukastenprinzip weiterer Dienste und Anwendungen eingeführt werden können. Dieser Baukasten umfasst Komponenten, Teilprozesse und -funktionen, aber auch übergeordnete Konzepte der Bereiche Betrieb, Sicherheit, Datenschutz etc., mit denen neue Dienste modular entwickelt werden, Synergien erschlossen und zugleich Insellösungen vermieden werden können. Öffnung für Anwendungen und Netze der Leistungserbringerorganisationen Die TI muss die Voraussetzungen bieten, perspektivisch sämtliche personenbezogenen Sozial- und Patientendaten im Gesundheitswesen mit angemessener Sicherheit unter einfacher Handhabung für Patienten und Leistungserbringer zu transportieren. Leistungserbringerorganisationen behalten die Hoheit für ihre Netze und Infrastrukturen sowie deren heutige und zukünftige Anwendungen. Es muss aber möglich sein, diese in die TI zu migrieren oder an die TI anzubinden, indem ihre Komponenten und Dienste genutzt werden können. Wesentliche Voraussetzung dafür sind transparente und diskriminierungsfreie Nutzungsregelungen. Überzeugung durch Nutzen statt Verpflichtung Unabdingbare Voraussetzung für die Akzeptanz auf Seiten der Leistungserbringer ist die Schaffung eines medizinischen Mehrwerts unmittelbar ab Beginn der bundesweiten Anbindung und der freiwilligen Nutzung der Dienste der Telematikinfrastruktur. Es ist der falsche Weg, wenn Leistungserbringer zur Durchführung sachfremder Aufgaben wie der Aktualisierung von Versichertendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte gesetzlich verpflichtet werden, ohne dass die TI zugleich einen spürbaren Mehrwert für Leistungserbringer und Patienten schafft. Medizinischer Mehrwert statt Beschränkung auf administrative Anwendungen der Krankenkassen Das Interesse der gesetzlichen Krankenkassen an der Einführung von Telematikanwendungen darf sich nicht allein auf administrative Anwendungen wie die Aktualisierung der Versichertendaten beschränken. Für die Aktualisierung der Stammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte sollten anstelle der Leistungserbringer die Krankenkassen selbst bzw. ihre Versicherten in die Pflicht genommen werden. Darüber hinaus müssen die Krankenkassen durch die Förderung medizinischer Telematikanwendungen schnellstmöglich einen Nutzen für die Versicherten schaffen. Die Auswahl, Entwicklung und Einführung dieser Anwendungen muss streng nach medizinischen Versorgungszielen ausgerichtet werden. Für die Fokussierung auf diese Ziele müssen in der gematik ausreichende Ressourcen bereitgestellt werden. Telemedizin in Regelversorgung überführen Telemedizinische Versorgungsmodelle bergen enorme Potenziale. Sie können zur Bewältigung der demographischen Herausforderungen und des Fachkräftemangels, zur Sicherstellung einer wohnortnahen Versorgung sowie zur Erhöhung der Patientensicherheit beitragen. Dies zeigt eine Vielzahl erfolgversprechender Initiativen in den Ländern, die leider viel zu oft nicht über den Projektstatus hinauskommen. Daher müssen die Rahmenbedingungen im Bereich der Telemedizin so gestaltet werden, dass Pilotprojekte erfolgreich in die medizinische Praxis überführt werden können....