News-Archiv

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Gesundheitsfachberufe 19.03.2015

„Gesundheitsfachberufe für mehr gemeinsames Lehren und Lernen“

Berlin, 19.03.2015 Für eine Verstärkung des interprofessionellen Lernens in der Ausbildung und in der Fortbildung von Gesundheitsberufen haben sich die über 40 Mitgliedsverbände der Fachberufekonferenz bei der Bundesärztekammer ausgesprochen. In gemeinsamen Veranstaltungen könnten die Sichtweisen der verschiedenen Disziplinen und Berufe bei der Behandlung und Betreuung zusammengeführt werden. Die Kommunikation in multiprofessionellen Teams oder bei der Fallbegleitung von Patienten mit komplexen Krankheitsbildern und ihren Angehörigen ließe sich in gemeinsamer Aus- und Fortbildung besser erlernen. Das koordinierte Zusammenwirken werde selbstverständlicher und effektiver, je früher es z.B. bereits in der Ausbildung thematisiert und eingeübt werde. "Gemeinsames Lernen schärft das Bewusstsein für den Beitrag anderer Berufsgruppen in der Patientenbetreuung und -behandlung und trägt damit zu einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung bei", sagte Dr. Max Kaplan, Vorsitzender der Fachberufekonferenz und Vizepräsident der Bundesärztekammer. In Anbetracht der medizinischen und demografischen Entwicklung gewinnen abgestimmte Betreuungs- und Behandlungskonzepte eine größere Bedeutung. Die Verbände der Fachberufe beschäftigten sich damit, wie angesichts der wachsenden Zahl multimorbider, chronisch kranker, älterer und pflegebedürftiger Patienten sowie des wissenschaftlichen Fortschritts interprofessionelle Bildungskonzepte zur besseren Kooperation und Koordination in der Patientenbehandlung beitragen. Welche Methoden des Lehrens können zum Einsatz kommen und was bewirken sie? Welche Hemmnisse bei der Implementierung neuer Ideen in gewachsenen Strukturen gibt es und wie können sie überwunden werden? Die vorgestellten Konzepte und die Empfehlungen aus Modellprojekten zeigen nach Auffassung der Teilnehmer, dass sich derzeit eine neue Sensibilität für eine interprofessionelle Lehr- und Lernkultur an den Hochschulen und in der berufsnahen Fortbildung entwickelt. Interprofessionelles Lernen braucht Bereitschaft, Ressourcen und Förderung auf allen Ebenen der beteiligten Organisationen.Die vom Vorstand der Bundesärztekammer im April 1989 initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen mit über 40 Mitgliedsverbänden besteht nunmehr erfolgreich seit 26 Jahren. Ziel dieser ständigen Einrichtung ist es, die gegenseitige Information zu verbessern, zur Klärung des Selbstverständnisses der Berufe beizutragen und die interprofessionelle und sektorübergreifende Zusammenarbeit zu stärken.
Palliativmedizin 17.03.2015

Montgomery: Ausbau palliativmedizinischer Angebote ist richtig und wichtig

Berlin, 17.03.2015 Zur Ankündigung der Bundesregierung, ein Hospiz- und Palliativgesetz auf den Weg zu bringen, erklärt Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer: „Der Ausbau palliativmedizinischer Angebote ist richtig und wichtig und wäre vor dem Hintergrund der aktuellen Sterbehilfe-Debatte ein wichtiges Signal. Denn die Erfahrung zeigt: Schwerkranke Menschen kommen von ihrem Sterbewunsch ab, wenn sie sich geborgen und gut versorgt fühlen. Was wir dringend brauchen, sind mehr ambulante und stationäre palliativmedizinische Versorgungsstrukturen. Wir brauchen eine Verbesserung der medizinischen, ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Wir brauchen mehr Wissenschaft, Lehre und Forschung. Und für all das brauchen wir eine auskömmliche Finanzierung. Leider hat die Politik hier viel Zeit verstreichen lassen. Umso wichtiger ist es, dass ein solches Gesetz jetzt zügig umgesetzt wird.“
Tarifeinheitsgesetz 03.03.2015

Montgomery: Tarifeinheitsgesetz ist überflüssig, schädlich und verfassungswidrig

Berlin, 04.03.2015 „Das Gesetz zur Herstellung einer Tarifeinheit ist völlig überflüssig. Es ist schädlich für die deutsche Gewerkschaftslandschaft. Und es ist in meinen Augen verfassungswidrig.“ So kommentiert Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery (in einem Videostatement) das von der Großen Koalition geplante Tarifeinheitsgesetz. Die Ärzteschaft werde gegen dieses Gesetz kämpfen und das Recht aller Arbeitnehmer auf eine unabhängige und eigenständige Tarifpolitik verteidigen, sagte der BÄK-Präsident einen Tag vor der ersten Beratung des Gesetzentwurfs im Deutschen Bundestag. Die häufig beschworenen Ängste vor ausufernden Streiks hält der Ärzte-Chef für unbegründet: „Es gibt kaum ein ähnlich streikarmes Land wie Deutschland. In unseren Nachbarländern wird sehr viel mehr gestreikt. Wer für Deutschland englische Verhältnisse vorhersagt, versucht Stimmung zu machen und Ängste zu schüren, die keinerlei Substanz haben“, so Montgomery.  Aufgrund von Streiks fallen wissenschaftlichen Studien zufolge in Deutschland jährlich nur etwa 16 Arbeitstage pro 1.000 Beschäftigte aus. In Großbritannien gab es dagegen zuletzt 26 Streiktage, in Dänemark 106 und in Frankreich sogar 150. In Anbetracht der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag sieht Montgomery allerdings kaum Chancen, den Gesetzgebungsprozess noch aufzuhalten. „Wenn nicht höhere Einsichten bei Frau Merkel, Herrn Gabriel und Frau Nahles einsetzen, wird die Tarifeinheit erst einmal so kommen. Aber das Bundesverfassungsgericht wird mit Sicherheit einen dicken roten Stempel auf das Gesetz drücken“, so Montgomery.  Die Audio-Spur zum download
Ärztemangel 02.03.2015

Montgomery: Wir brauchen zehn Prozent mehr Medizinstudienplätze

Berlin, 02.03.2015 „Wir haben einen echten Ärztemangel.“ Das stellte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) im Interview mit dem Magazin „Focus“ (28.02.) klar. Besondere Sorge bereitet Montgomery der Nachwuchsmangel: „Die 10.000 Medizinstudienplätze reichen nicht. Wir brauchen mindestens zehn Prozent mehr. Aber weder der Bund noch die Länder sind bereit, sich finanziell zu engagieren.“ Darüber hinaus forderte er eine Ausweitung der Investitionshilfen in unterversorgten Gebieten. „Solche Investitionshilfen brauchen wir nicht nur für Hausärzte, sondern zum Beispiel auch für Augenärzte und Neurologen. Und: Man sollte für eine Landarztstelle gleich zwei Kollegen suchen, damit die Arbeitszeiten im erträglichen Rahmen bleiben.“ Die von der Großen Koalition beschlossenen Servicestellen für Facharzttermine hält Montgomery für falsch. „Das Versprechen der Politik wird nicht aufgehen. Wer denkt, er kommt binnen vier Wochen zum Facharzt seiner Wahl, täuscht sich. Patienten kommen zu den Ärzten, die gerade Termine frei haben“, so der BÄK-Präsident. Es sei eine seltsame Kombination politischer Signale, die Schließung von Praxen zu erzwingen und zugleich lange Wartezeiten zu beklagen. Als „politischen Dauerskandal“ bezeichnete Montgomery die Weigerung der Bundesländer, die finanzielle Lage der Krankenhäuser zu verbessern. „Die Länder stehlen sich seit Jahren aus ihren Investitionsverpflichtungen – viele Krankenhäuser sind in einem miserablen Zustand! Die Länder wollen nur weiter das zahlen, was sie von 2012 bis 2014 gezahlt haben.“ Der Ärztechef wiederholte außerdem seine Forderung nach einem anonymen Krankenschein für Menschen ohne legalen Aufenthaltstitel: „Sie sollen bei schweren Erkrankungen die nötigen Behandlungen bekommen, und zwar geschützt vor Eingriffen des Staates. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit.